09.06.2004

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Wer gelegentlich in eines der grossen Urlaubsziele verreist, kennt vielleicht die netten Leute, die arglosen Touristen an beliebten Spazierrouten und vor ihren Hotels auflauern, um sie mit "Gewinne ein T-Shirt"-Rubbelkarten und anderem Altpapier in eine als Club oder Bar getarnte Räuberhöhle zu locken. Sich dieser Bauernfänger zu entziehen benötigt eigentlich nicht mehr als ein nettes Lächeln und ein freundliches "Nein, danke!". Aber auf die Dauer, so beim dutzendsten Mal, wird das ja auch langweilig. Hier ein paar Vorschläge, wie man dieses Spiel abwechslungsreicher und evtl. auch gefährlicher gestalten kann.

Vor der Umsetzung in die Tat gilt es aber, eine strategische Entscheidung zu fällen: will ich nur so schnell wie möglich meine Ruhe haben? Oder habe ich gerne mit Menschen zu tun und denke, dass jede verschwendete Minute, die der lästige Seelenverkäufer mit mir ergebnislos beschäftigt ist, kostet ihn Einkommen und Energie, die er nicht in andere, möglicherweise hilflosere Touristen investieren kann?

Nach dieser Entscheidung kann man die entsprechende Taktik wählen.

1.Die etruskische Variante: diese Taktik setzt darauf, den Angreifer mit einer zwar grammatikalisch sinnvollen, aber inhaltlich sinnfreien Antwort auf seine Anrede zu verwirren. Während der Bauernfänger die Erwiderung parst, kann man mit ein paar zügigen Schritten schon genügend Meter entschwunden sein, um weiteren Anmachen zu entgehen. Ein beliebter Eröffnungssatz lautet: "Hallo! Seid Ihr Deutsche". Darauf könnte man z.B. antworten: "Nein, Etrusker." Oder: "Sprecht Ihr Deutsch?" - "Tut mir leid, nur etruskisch." Allerdings sollte man sich dabei darauf einrichten, dass dem vorbeigeeilten "Etrusker" einfallsreiche Beschimpfungen nachgerufen werden könnten.

2.Gambit: diese Variation versucht ein Tauschgeschäft anzuleiern. Sobald der Touristennepper uns einen Flyer oder ein Rubbellos andrehen möchte, nesteln wir in unseren Taschen und ziehen ein Tauschobjekt hervor, nach Möglichkeit ein möglichst wertloses Stück Müll oder Ramsch. Dafür empfehlen sich z.B. schon abgestempelte Buskarten oder die gebrauchte Bordkarte vom Hinflug. Darauf sollte sich ein Dialog ähnlich dem Folgenden entwickeln: "Ich nehme Ihres, wenn Sie meines nehmen." - "Ja, was haben Sie denn für mich?" - "Hm, z.B. eine gebrauchte Bordkarte." - "Aber damit kann ich kein/e T-Shirt / Freigetränk / Kaffeetasse gewinnen!" - "Es ist doch so: Sie tragen meine Bordkarte zum nächsten Mülleimer, ich trage Ihr Rubbellos zum nächsten Mülleimer. Ich denke, das ist ein fairer Tausch." Falls sich der Seelenverkäufer tatsächlich auf den Tausch einlassen sollte, darf man den neuerstandenen Flyer/Rubbeldings natürlich auf keinen Fall wegwerfen! Stattdessen nimmt ihn als Tauschobjekt für die nächste Anmache her, bei der man dann dem nächsten Lästling sogar einen tollen Gewinn anbieten kann. So haben beide Seiten etwas davon...

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