Nektar und Trigon, Titanic City, München, 25.9.2005
Falls jemals jemand versucht, zum Titanic City in München zu kommen, ist er gut beraten, sich - anders als, um mal ein ganze willkürliches Beispiel zu nennen, ich etwa - nicht nur die Adresse zu merken, sondern den Lageplan auf der Website zu memorieren. Denn das eine liegt in einer komplett anderen Straße als das andere. Mit ein wenig Funkphonunterstützung aus dem Basislager schaffte ich es zwar schließlich, die ungefähre Lage des Eingangs zu erlaufen, aber wenn ich nicht gewusst hätte, dass Nektar und Trigon mit einem fetten Nightlinerbus unterwegs sind, hätte ich es wahrscheinlich selbst damit kaum geschafft, den Eingang zu entdecken - weil eben jener parkend, unterstützt durch eine handliche Baustelle, diesen militärische-GPS-auflösungsgenau verdeckte. Wenig hilfreich auch, dass das Titanic zu jener Sorte Clubs zu gehören scheint, die Namensschilder über dem Eingang, geschweige denn Plakatwerbung für unschick erachten, aber gerne für 0,4l Apfelschorle 3,50 Euro nehmen. OK, Bier war deutlich billiger, ist schließlich - den Postern nach zu urteilen - 'ne Metalkneipe und -disco.
Wenn man es dann die Treppenstufen hinunter ins Souterrain geschafft hat, erwartet den Besucher ein anheimelnd düster-verrauchter, aber eher kleiner Club. Zwar waren beide Gruppen nach den größeren Örtlichkeiten der ersten beiden Konzerte der Tournee anfangs wohl etwas enttäuscht ob der beengten Raumverhältnisse (auch auf der Bühne), erwies sich diese Intimität schließlich eher als Vorteil: gut 40 Zuschauer verirrten sich nach Schwabing, um Trigon und Nektar zu sehen und zu hören (was ich im Übrigen für die Verhältnisse in der Münchner Musikdiaspora für beinahe ordentlichen Andrang halte). Aber auch der Sound profitierte - bei beiden Bands - meines Erachtens: kraftvoll, aber nicht zu laut, rauh, aber nicht roh.
Das, also mein erstes Trigon-Konzert nach meinem freiwilligen Abschied von den Trigonauten war natürlich eine spannende Sache. Aber die Jungs legten einen ziemlich guten Einheizer-Gig hin, dem vielleicht nur gegen Ende wegen einiger Unsicherheiten etwas die Luft ausging. Der neue Keyboarder Thomas Oehler (überflüssige Information am Rande: den ich, wie es der Zufall will, schon einmal vor 8 Jahren mit einer anderen Band gesehen habe, wie mir inzwischen aufgefallen ist) scheint sich gut eingefügt zu haben. Zwar wunderte mich, dass er den kompletten Auftritt mit einem Hammond-Sound bestritt, aber das schien logistische Gründe zu haben, da auch der nektar'sche Tastendrücker komplett über die gleiche elektronische Hammond spielte - das Original und der Leslie verblieben leider im Bus, da damit der gewundene Treppenabgang zum Titanic City zu kreuzbrecherisch gewesen wäre. Unter den Zuschauern waren nicht nur drei FreakParade-Shirt-TrägerInnen, sondern, wie ich ihm Merchandisestand feststellen konnte, etliche Trigon-Kenner, die den Auftritt auch mit ordentlichem Applaus bedachten.
Nektar - mit leichtem Altersgefälle in der Band angesichts des deutlich jüngeren Bassisten und Keyboarders, mit denen die verbliebenden Originalmitglieder, Gitarrist Roye Albrighton und Schlagzeuger Ron Howden, aber locker mithalten konnten - begannen etwas verhalten, wahrscheinlich enttäuscht über den kleinen Club und die geringe Zuschauerresonanz, steigerten sich aber angesichts der hervorragenden Stimmung im Publikum schnell und boten ein überzeugendes Set inklusive zweier Zugaben mit ihrem angeproggten, leicht spacigen 70er-Jahre-Hardrock, der live deutlich härter als auf den Original-Platten herüberkam, aber dennoch in ausufernden Suiten und Medleys den Geist des Entstehungsjahrzehnts beschwor - Return to the Past. Im Grunde nicht meine Musik, aber live durchaus spaßig. Nur ob ich den Eintrittspreis von meines Erachtens happigen 20 Euro dafür hätte bezahlen wollen? Eher nicht.
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