12.11.2007

Music Unlimited 21, Alter Schl8hof, Wels/Österreich, 11.11.2007

Vom 9. bis 11.11.2007 fand in Wels bei Linz das 21. "Music Unlimited"-Festival statt, heuer kuratiert von "Sleepytime Gorilla Museum und hundertausend andere Projekte"-Elfe Carla Kihlstedt. Dementsprechend tummelten sich im Programm viele Künstler aus der San Franciscoer bzw. Oaklander Szene, der auch "Sleepytime Gorilla Museum" entstammen. Leider konnte ich erst zum letzten Tag des Festivals dabei sein, verpasste so dem Vernehmen nach einige Highlights (speziell das Ben Goldberg Quintet, Bolivar Zoar und die Secret Chiefs 3 wurden genannt), aber immerhin spielten zum Abschluss des Festivals Sleepytime höchstselbst, die nach jahrelanger Europa-Abszenz uns im Jahr 2007 gleich mehrfach beglückten.

Der Veranstaltungsort, der "Alte Schl8hof" ist nahezu ideal für ein solches Festival. Im vorderen Publikumsbereich des auch für guten Besuch ausreichend großen Hauptraums wurden für die ersten Konzerte des Tages Stühle aufgestellt und für die späteren wieder abgebaut, im hinteren Bereich gab es aber eine Art Tribüne mit ständigen Sitzplätzen, so dass für jede Vorliebe (Konzert-Sitzer vs. -Steher) gesorgt war. Im Eingangsbereich gab es eine Bar, einen Nebenraum mit Platz für CD-Verkäufer und im ersten Stock eine Art Kantine mit durchaus ansprechender Verpflegung (von leicht alternativer Küche bis hin zu regionalen Gerichten).

Die Ausrichtung des Festivals lag recht deutlich auf der "Avantgarde"-/"Kunst"-Schiene. "Music unlimited", "grenzenlose Musik", "Musik ohne Grenzen" ist natürlich nicht nur Titel, sondern auch Programm. Dies kann gut gehen - muss aber nicht.

Gut ging es am Sonntag etwa bei der chinesischen Musikern Wu Fei, die nur mit ihrer Guzheng (eine Art Zitter) und ihrer Stimme trotz der spartanisch anmutenden Ausganglage eine charmantes und durchaus abwechslungsreiches Programm bot, dass die Grenzüberschreitung im Sinne der Verschmelzung verschiedener Kulturkreise gelungen und erstaunlich kurzweilig vollzog: Von experimentell-schrägen Klängen über melancholisch-melodische Songs bis hin zu Anklängen chinesischer Folklore.

Nicht so gut ging's bei Carla Bozulich und ihrer All-Star-Band (das vorangehende niederländische (Free-)Jazz-Trio hatte ich wegen Essenpause verpasst). Auf den Punkt gebracht: Murks. OK, 90% Murks und 10% Musik. Bei aller Offenheit und Wertschätzung freier Musik: Große Passagen des Auftritts des eher großen Ensembles (7 Musiker auf der Bühne) hatten einen entschieden zu hohren Hurz-Faktor. Unkoordiniertes Gegniedel und Gefriemel ergibt nicht immer Musik, und anscheinend hatte Carla Bozulich nicht genug Präsenz, um dem Procedere über große Strecken eine andere Anmutung als Gefummel zu verleihen - und wenn, dann ragte des Resultat viel zu selten über Betroffenheits-Gejammer heraus.

Anfürsich nicht wirklich besser war der anschließende Auftritt von Extrem-Percussionist Moe! Staiano und "Gitarrist" Terrie Ex. Deren Perfomance bestand ebenfalls aus komplett freien, wirren, experimentellen Klängen, durch Bearbeiten von Schlagzeug und Gitarre mit verschiedenen Nicht-Musikinstrumente-Teilen, hatte aber wenigstens Schwung, war dank der rotzigen Punk-Attitüde von Terrie Ex, den Grimassen und spastisch Verrenkungen Moe! Staianos und des prinzipiell natürlich viel transparenteren Sounds einfach unterhaltsamer - für ein paar Minuten jedenfalls.

"Sleepytime Gorilla Museum" schließlich waren gewohnt gut. Der Auftritt begann nach dem durch einige andere Musiker unterstützten Prozessions-Einmarsch in die Halle mit einer großen, epischen Version von "The Companions", danach wurde mit unglaublicher Power und Präzision losgerockt, jedenfalls bevor nach dem ersten Drittel des Konzert die Energie auf der Bühne etwas wegsackte und leider auch nicht zu den Krachern gegen Ende ("Babydoctor" und als Zugabe "The Donkey-Headed Adversary of Humanity Opens the Discussion") in dieser überwältigenden Form zurück kehrte. Trotzdem: Besser als die allermeisten aktiven Rockbands sind SGM auch dann noch, so dass sich die lange Fahrt nach Wels (und vor allem die Rückreise mitten in der Nacht durch's Schneetreiben auf der A8) sich gelohnt hat.

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