29.11.2007

Miles & The North

Nicht nur die Hüllengestaltung beeinflusst den Höreindruck, sondern auch die beigelegten Texte. Auch hier wäre es ein interessantes Experiment, wenn man irgendwie testen bzw. messen könnte, wie sehr die Eindrücke von Hörern, die Plattenfirmen-Waschzettel und/oder Liner Notes, gelesen haben, von denen unvoreingenommer Hörer abweichen.

Seit ich neu erworbene CDs als erstes rippe und dann auf fast Nimmerwiedersehn ins Regal stelle, weil ich so gut wie nur noch am Rechner oder über den mp3-Player Musik höre, befasse ich mich nur noch selten näher mit den Booklets. Vor kurzem habe ich aber zufällig zum ersten Mal die ausführlichen Erinnerungen der "Hatfield & The North"-Mitglieder gelesen, die den beiden Archiv-Veröffentlichungen "Hatwise Choice" und "Hattitude" beigegeben sind.

Da war die Rede davon, dass Miles Davis ein Einfluss auf verschiedene Bandmitglieder gewesen sei, was man den beiden Hatfield-Studio-Alben kaum anhören. Als ich aber kurz darauf "Take Your Pick" von "Hatwise Choice" hörte, war der Einfluss des Früh-Siebziger-Miles für mich kaum zu überhören.

Liegt dies jetzt daran, dass ich das Booklet studiert hatte und deshalb allzu bereitwillig diese Verbindung herstellte? Oder eher daran, dass dieser Sound zwar live auffällig, aber auf den Studio-Aufnahmen eher unterdrückt ist? Wie immer vermute ich: Beides. Allzu abstrusen Schmonzes kann man Hörern via textliche Begleitung sicher nicht aufdrücken, auch wenn dies Plattenfirmen in ihren Hype-Sheets immer wieder versuchen. Aber nicht allzu weit hergeholte Vorab-Vergleiche und -Beschreibungen färben das Empfinden sicherlich.

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