Liebe ist alles, was man braucht?
Dem bereits vor einiger Zeit angekündigten Beatles-Remix-Projekt "Love" stand ich ursprünglich sehr skeptisch gegenüber. Riecht schon nach Geldmacherei, und dann auch noch ein dermaßen plakativer und einfallsloser Titel und eine gleichermaßen langweilige Cover-Gestaltung. Aber ich konnte nicht widerstehen.
Die folgenden Kommentare beziehen übrigens sich nur auf die Stereo-Version von "Love". Die Surround-Sound-Variante soll ja sehr spektakulär ausgefallen sein, aber ich habe nunmal immer noch keine passende Anlage.
Das Zusammenstöpseln verschiedener Beatles-Stücke funktioniert jedenfalls erstaunlich gut. Nicht jeder Schnitt ist gelungen, vereinzelt klingt die Übergänge von einem Stück zum nächsten forciert und unnatürlich, aber gerade etwa die verschiedenen Kombinationen von Backing Tracks des einen mit Gesangsspuren des anderen Stückes wirken erstaunlich passend. Raffiniert und sicherlich sehr arbeitsaufwändig. Die Methode, Versatzstücke anderer Songs in neue Nummern zu integrieren, haben die Beatles schon zu "Lebzeiten" selbst verwendet (natürlich damals schon unter Beteiligung von George Martin), siehe etwa den Schluß von "All you need is love" oder auch den Text von "Glass Onion". Dieses Prinzip wird hier eben auf die Spitze getrieben.
Viele der verwendeten Passagen stammen nicht nur von den originalen Singles und Alben, sondern aus den Tonbandbeständen, die schon für die "Anthology"-Reihe gefleddert wurden. So dürften speziell Nicht-Hardcore-Fans, die die "Anthology"-Boxen noch nicht kennen, einige Aha-Erlebnisse bevorstehen, sofern sie sich "Love" besorgen.
Was aber auch beinharten Fans auffallen dürfte, die ist grandiose Klangqualität der Aufnahmen, auch bei den Stücken, die weniger stark verfremdet wurden. Dies macht umso mehr Lust auf ein sorgfältiges, den neuesten Stand der Tontechnik ausnutzendes Remastering der "offiziellen" Beatles-Platten - vielleicht sogar einen Remix. Allerdings keinen Stunt-/Gimmick-Remix wie diesen, sondern einen, der versucht, anhand der noch vorhandenen Mehrspuraufnahmen die Original-Mixe nachzubauen, aber eben klangtechnisch optimiert (so, wie es etwa für Miles Davis' "Bitches Brew" auch gemacht wurde). Allerdings ist dies ein Unterfangen, dass bei dermaßen pophistorisch belasteten Aufnahmen kaum erfolgreich durchzuführen sein dürfte, da jede Abweichung von den bekannten und allseits beliebten Versionen für großes Geschrei sorgen dürfte. Aber ein bisschen träumen kann man ja.
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