29.04.2005

Lady Snowblood

Vor genau einem Jahr ging der erste echte Eintrag im Progblog online: kurze Anmerkungen zum damaligen "Kill Bill 1/2"-Double Feature im Cinema München. Es bietet sich also an, dieses kleine Jubiläum mit ein paar Worten zu einem der Filme zu feiern, die Quentin Tarantino maßgeblich in Sachen Kill Bill inspiriert haben: Toshiya Fujitas Lady Snowblood, ein Samurai-/Rachestreifen von 1973, der vor kurzem als deutsche DVD erschienen ist, wenn auch "nur" im japanischen Original mit deutschen Untertiteln.

Die Ähnlichkeiten fangen bei oberflächlichen Plotanleihen an: wie Tarantinos "Braut" befindet sich die junge Yuki, die Lady Snowblood, auf einem Rachefeldzug um die vier Menschen zu töten, die ihren Vater und Stiefbruder getötet sowie ihre Mutter vergewaltigt und letzten Endes in den vorzeitigen Tod im Gefängnis getrieben haben, wo sie zu keinem anderen Zweck als zur Vollstreckung ihrer Rachegelüste sich schwängern ließ und bei Yukis Geburts starb. Anleihen gibt es auch in machen Details: die überzogenen Blutfontänen, die in Kill Bill aus Verletzungen sprudeln, finden sich schon in "Lady Snowblood", wobei das japanische Vorbild deutlich elegischer inszeniert ist und keinerlei Kampfkunst-Schaulaufen bietet, aber viel mit Kameraschwenks und vor allem subjektiver (Hand)Kamera und Zooms zur Verbildlichung von Emotionsänderungen arbeitet. Oder: ähnlich wie Verneta Green die Braut um ihrer Tochter willen anfleht, fleht Yukis erstes Opfer seiner Tochter willen um Gnade.

Dazu kommt die immer wieder auch von Tarantino gerne verwendeten Rückblenden und unvermittelte Sprünge auf der Zeitlinie sowie Aufteilung in Kapitel, wobei auch hier jedes Kapitel einem Racheakt gewidmet ist. Allerdings gewinnt bei "Lady Snowblood" diese Struktur eine weitere Bedeutungsschicht, da sich im Lauf des Film herausstellt, dass die Abschnitte tatsächliche Kapitel eine Buches sind, das ein Schriftsteller über Lady Snowblood verfaßt, den diese selbst erst während der Filmhandlung kennenlernt. Auch die schon vorher auftauchende Stimme des Erzählers aus dem Off entpuppt sich als die Stimme des Buchautors. Auch der Einsatz von Musik ist ähnlich (ein Stück aus "Lady Snowblood" borgte sich Tarantino sogar für "Kill Bill"): statt eines klassischen "Scores" werden 70er Jahre Songs benutzt, nur dass deren besondere Wirkung bei Tarantino darauf beruht, dass sie Gegenwartshandlungen untermalen, während sie - eigentlich noch seltsamer, aber ebenfalls effektiv - im tatsächlichen 70er Jahre Film mit einer im 19. Jahrhundert spielenden Handlung kontrastieren.

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