20.04.2006

Kraut und Rüben, 6

Ich geb's zu: Teil 5 der "Kraut und Rüben"-Reihe habe ich erstmal übersprungen, denn die deutsche 70er-Jahre-Hardrock-Szene interessiert mich deutlich weniger als die Elektronische-Musik-Szene, die im Fokus des fünften Teils waren.

Neben den vielen witzigen zeitgenössischen TV-Aufnahmen war wieder einmal interessant, dass die meisten der sogenannten Elektroniker oder mit dieser Szene assoziierten Künstler gar nicht so überwiegend elektronisch waren, wenn man Elektronik vor allem mit Synthesizer-Klängen verbindet. Etwa für Tangerine Dream, Klaus Schulze und Kraftwerk gilt dies zumindest für ihre ersten paar Platten, für Popul Vuh als Sonderfall eher umgekehrt: Anfangs elektronisch, kam danach eine eher akustisch dominierte Phase. Dies zeigt auf's neue, dass das verwendete Instrumentarium nur zu einem Teil für einen Sound verantwortlich ist, sondern vor allem die ästhetische Zielsetzung und Philosophie sowie die Spielweise entscheidend ist. Daher mag ich auch Siegfried Lochs Kommentar im Beitrag, dass - sinngemäß - diese Künstler die eigentlichen Innovatoren der deutschen Szene gewesen seien, nicht hunderprozentig zustimmen: Andere wie Can oder Amon Düül II hatten vielleicht eine konventionellere Art der Herangehensweise an Klänge oder Spielweisen (obwohl auch diese Gruppen immer wieder mit reinen Klängen experimentierten), dafür aber originelle Denkweisen in Sachen Strukture, Rhythmik, Harmonik und Phrasierung.

Dabei zeigte sich in den Tonbeispielen obendrein, dass die erstgenannten Bands und Künstler, speziell Kraftwerk mit ihren ersten zwei oder drei Alben, also vor Autobahn, trotz der später möglicherweise futuristischeren Klänge in ihrer Anfangszeit musikalisch interessanter waren und auch abenteuerlicher klangen (obschon das mit daran liegen mag, dass für heutige Ohren auch die reinen Synthie-Klänge inzwischen veraltet oder zumindest altbekannt sind). Ganz in diesem Sinne äußerte sich auch Michael Rother im Beitrag, während Kraftwerk selbst ihre ersten Alben bis heute mehr oder weniger ignorieren und auch Klaus Schulze sich wenig schmeichelhaft über das erste Tangerine-Dream-Album äußerte. Aber dass Künstlern bei der Einschätzung ihres eigenen Werks nicht zu trauen ist, ist nichts neues (siehe auch Robert Fripps berüchtigten Kommentar zum King-Crimson-Meisterwerk "Lizard": "unlistenable"), und wird wohl immer so bleiben.

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