08.01.2007

Klanggerüche

Gerüche wirken besonders gedächtnisstimulierend - bestimmte Gerüche rufen mal lebhafte, mal auch nur schemenhafte Erinnerungen an Situationen und Umstände wach. Für Musik gilt Ähnliches: Bestimmte Stücke, sogar nur bestimmte Instrumentenklänge können den Hörer in frühere Hörsituationen zurücktransportieren. Soweit nix neues für viele, wie ich aus etlichen Unterhaltungen weiß. Heute erlebte ich jedoch zum ersten Mal, wie alleine der Sound einer Aufnahme, eine Produktion, eine "Klanggestalt" eine ähnliche Wirkung entfaltete: Beim Hören des gleichnamigen Albums des japanisch-britischen Projektes "Soft Mountain".

Zur eigentlichen Musik und den illustrieren Mitwirkenden (Elton Dean, Hugh Hopper, Hoppy Kamiyama und Tatsua Yoshida) zu anderer Zeit an anderer Stelle mehr. Hier möchte ich nur bemerken, wie lebhaft mich bereits die ersten Sekunden von "Soft Mountain" mich in die Zeit zurück transportiert haben, als ich die Coltrane-"Classic Quartet"-Impulse!-Box hoch und runter gehört habe: Leicht angestaubter, aber sehr intimer, unpolierter, direkter, aber gleichermaßen klarer Live-im-Studio-Sound der Aufnahme, dazu der ähnliche Ansatz vierer Meistermusiker, sich ungehemmt und frei im gemeinsamen Zusammenspiel zu versenken.

Vielleicht wurde hier wirklich ein gewisser Geist von den Musikern heraufbeschworen und eingefangen, denn sie scheinen es selbst bemerkt zu haben: Im Verlaufe der "Soft Mountain Suite Pt. 1" beginnt Elton Dean, ein Motiv aus "A Love Supreme" zu zitieren (die fundamentale dreinotige Figur, die Lewis Porter in seiner Analyse von "A Love Supreme" "Cell a" nennt) und in seine Sax-Linien einzubauen. Anderswo beinahe Blasphemie, hier aber nicht.

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