Keafer auf Blütenlese
Mag Sal auch noch so sehr wettern, ich bleibe dabei: Fernsehen macht nicht dumm.
Ein Fallbeispiel:
Die beatles'sche Video-"Anthology", deren erste beide Folgen ich mir vor kurzem endlich - via DVD, eben im Fernsehen... - angeschaut habe, wollte wiederum ich mich aufregen, ist falsch benamt. Schliesslich ist eine Anthologie vor allem eine Zusammenstellung literarischer Werke verschiedener Autoren. Aber die Wikipedia belehrt uns, dass eine Anthologie auch "eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken" sein könne. Obendrein erfährt man, dass "Anthologie" vom griechischen Wort für "Blütenlese" abstammt. Dahammerwiederwatjelernt, hammerda (Q.E.D zur These: Fernsehen macht nicht dumm, nebenbei bemerkt).
"Blütenlese". Blütenlese. Das ist nicht nur ein schmackhaftes Wort, welches wie Nektar flüssig von der Zunge rollt und ebenso süssen Honig wie exotische gefüllte Zucchiniblüten assoziativ beschwört. Denn damit scheint auch die Benennung der "Anthology" geradezu poetisch: von Blüte zu Blüte hüpfen die Käfer (Beetles wie Beatles, Mann!) und legen nach getaner Arbeit auf dem Kopf eines Pilzes eine wohlverdiente Pause ein, um von dorten mit Zaunpfählen und Holzhämmern auf gequält grimassierende Leser einzuschlagen.
Sammeln Käfer überhaupt Blütenstaub? Ich sollte flott die Wikipedia erneut befragen. Andererseits: kann man einem Nachschlagewerk trauen, das noch nicht einmal einen Eintrag zum Weswolf hat?
Die Beatles waren, ausgehend von der blauen Doppel-LP im Plattenregal meines Vaters, die musikalischen Helden meiner frühen Jugend. In letzter Zeit bedarf es aber meist besonderer Anlässe, damit ich mich wieder mit den immer noch ungeschlagenen (wie weit kann ich die Lesergrimmenmassenschneiderei heute treiben? Esst dies: nicht ganz "ungeschlagen", schliesslich wurde z.B. Sir Paul MacCartney 1997 zum Knight Commander des Most Excellent Order of the British Empire ... geschlagen...) Königen des Pops direkt beschäftige, wie etwa zuletzt das "Yellow Matter Custard"-Cover-Album, das vor allem Lust auf die Originale machte, das Erscheinen des lange überfälligen "Let it be - naked" oder eben die endlich leihweise in meinem Haushalt angekommenen Anthology-DVDs.
Die liebevoll und einigermassen aufwändig produzierten ersten beiden Folgen voller Archiv-Material und Interviews waren also nicht nur eine Zeitreise in die 60er Jahre, sondern auch in meine eigene Vergangenheit und als solche auch ganz abgesehen vom zweifellos vorhandenen und damit zu würdigenden Informationsgehalt aller ernsthaften Kritik meinerseits enthoben. Restlos glücklich bin ich dennoch nicht: als zu Wort kommende Zeitzeugen treten zum allergrössten Teil nur die Beatles selbst (inklusive älterer Archiväußerungen von John Lennon; George Harrison lebte zur Produktionszeit noch) sowie - schon deutlich seltener - das engste Umfeld der Beatles (George Martin, Derek Taylor) auf. Das "offizielle" Selbstverständnis sowie Selbstdarstellung und Erinnerungsvermögen der Hauptbeteiligten sind aber nur eine Seite der Medaille. Äußerungen etwa von - z.B. - Pete Best, Astrid Kirchherr oder Klaus Voormann zu den ganz frühen Beatles hätten für mich die Sammlung bereichert. Vielleicht kommt in den nächsten Folgen mehr in der Richtung.
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