08.09.2004

Kann man mp3s einen Minirock anziehen?

Seit ich einen mp3-Player besitze, ist das erste, was ich tue, wenn ich eine neue CD bekomme, diese in den Rechner einzulegen und via CDex daraus mp3s zu erstellen. Diese verbleiben zum Hören während Arbeit, Sport und Spiel dort und werden ausserdem zum Hören während meines Wegs von und zu Arbeit, Sport und Spiel auf den mp3-Player kopiert. Es wäre heute ein leichtes, an diese Musik im gleichen Format auch ohne den lästigen und vor allem geldbeutelentleerenden Umweg über eine gekaufte CD zu kommen. Aber: reine mp3s sind - im Gegensatz zu Mini-LP-Papphüllen - einfach unsexy. Das hat nichts mit dem mit der Komprimierung verbundenen, sowieso kaum merkbaren Verlust an Klangqualität zu tun: gleiches gilt für nahezu verlustfrei gebrannte CDs.

Es macht einfach weniger Spass, eine Platte zu hören, zu der man nicht eine visuelle, am besten sogar physische Beziehung aufbauen kann. Das Gefühl, die CD schon in der Hand gehabt, im Booklet geblättert zu haben und sich über alberne Musikerphotos aufgeregt zu haben, gehört für mich zum Genuss, ebenso das Gefühl, die Musik bezahlt und den Künstlern ihre - zumindest gelegentlich - wohlverdienten Einkünfte zukommen gelassen zu haben. Dieses liesse sich zwar auch mit rechtmässig in einem der wie Pilze im Herbst aus dem Boden schiessenden legalen Download-Läden erstandenen Musikdateien erreichen, aber die "Wohlfühl-Komponente" fehlt mir dabei immer noch.

Nun, ich bin Fripp-zertifiziert seltsam, das will also nichts für den Rest der Welt heißen. Gespannt bin ich darauf, wie etwa das momentan laufende BMG-Experiment mit den CDs in drei Varianten ankommt. Definitiv ein Schritt in die richtige Richtung ist es dabei, die normale Version einer CD für 12,99 Euro anzubieten, obwohl das immer noch zu teuer ist, wenn ich damit vergleiche, was in der Herstellung sowohl das Ursprungsproduktes als auch des Mediums sicher nicht billigere Film-DVDs heute oft nur noch kosten. Ob allerdings die Billig-Variante für nur 9,99, aber ohne Cover ankommt? Der Unterschied zur selbstgebrannten CD besteht dabei im Prinzip nur noch darin, dass illegal Runterladen / vom Freund ausleihen und Selbstbrutzelung nur 5% davon kosten...

Was könnte man tun, um Leuten wie mir Musik-Downloads schmackhaft zu machen?

Zum einen: bleibt mir vom Leib mit fiesen DRM-Geschichten.

Ich will mich nicht mit komplizierten, proprietären Freinschaltungsmechanismen rumschlagen. Ich will meine legal erworbene Musik auch hören, wenn ich den gleichen Rechner mit einem anderen Betriebssystem boote. Ich will meine legal erworbene Musik nicht nur an einem bestimmten Rechner hören können. Ich will problemlos auf meinen mp3-Player überspielen, damit ich sie beim Pendeln hören kann. Ich will sie zum Archivieren auf eine CD brennen können, die ich dann auch zum Einschlafen in die Stereo-Anlage im Schlafzimmer einwerfen kann. Ich will sie zur nächsten Prog-Session mitnehmen können, um sie meinen Freunden vorzuspielen und sie anzufixen.

Zum anderen: vermittelt mir das gleiche Wohlfühl-Klima wie eine liebevoll aufgemachte CD mit Booklet, CD-Bedruckung und allem Schnickschnack.

Wenn ich ein komplettes Album als solches downloade, will ich keine nackten Musikdateien. Zippt eine kleine Offline-Website mit schmuckem Design, Artwork, Texten, Photos, Liner Notes, Diskographie, von mir aus weiteren Schmackhaftmachern von anderen Veröffentlichungen, um gleich noch einen Werbeeffekt zu haben. Nur: es muss möglich sein, zu dem Album auch optisch eine Beziehung aufzubauen, um den Hörgenuss zu vertiefen.

Kommentare

Manche perle ist mir schon durch die lappen gegangen, einfach weil ich beim stöbern die selbstgebrannten silberlinge alle so verdammt gleich assehen. Ein ein farbiges Cover und... ja, die könnt ich mal wieder hören. Musikliebe geht durch die Augen und Finger zuerst...
Ich bin genauso, nur eine richtige CD ist so "sinnlich" und macht Lust auf mehr, alles andere ist wie cybersex, somehow, du kriegst das etikett und sollst dir alles selber vorstellen. Nö. neenee.
Und immer mehr brauch ich bei wirklich guter musik auch das Gefühl, ich habs den Jungs fair bezahlt. Wenn man, wie unter Proggies leicht mal der Fall, die Musiker hier und da kennenlernt und sieht, was die alles opfern, Herzblut investieren, wie ich und Du auch in einem dämlcihen Büro arbeiten gehn, pipapo und dann ne Selbstgebrannte? ich könnts nicht genießen. Ich will das dann "mittragen", wie es so eklig in Betroffenheitsdeutsch heißt.
Über die neuen Techniken des legalen MP3-Downloadens weiß ich nicht viel, aber da sei Gott vor. Das ist really unsexy, genau! Das ist ja total gesichtslos. Man könnte auch Cover und booklets vielleicht downloaden. Nein. ich will mir meine CDs nicht selber machen. Vielleicht altmodisch. Hm. Ich denke, nicht...

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