09.12.2004

Kaffeeflecken in Büchern kann man CDs nicht beifügen

Eigentlich kaufe ich inzwischen fast alle Bücher online: Amazon.de ist einfach zu bequem. Die Auswahl ist ungeschlagen, ebenso die Preise für englischsprachige Literatur, und die Lieferung nach Hause macht den lästigen Gang zum Buchladen überflüssig. Dennoch: immer wenn ich in der Stadt bin, komme ich nicht am Marienplatz-Hugendubel vorbei, ohne reinzuschauen. Und wenn ich schon mal da bin, finde ich alleine durch zielloses Stöbern gleich etliche Bücher, die ich am liebsten mitnehmen würde. Im obersten Geschoss kann man einen annehmbaren Kaffee trinken oder sich mit einem Buch auf einen der Leseplätze zurückziehen.

Das ganze Ambiente, das inmitten des wuseligen Treibens der Kunden kleine Inseln der Ruhe bietet, ist eine sinnliche Erfahrung, die ein Onlineeinkauf nicht bieten kann.

Vielleicht könnten sich daran CD-Läden angesichts der allseits beschworenen Plattenabsatzkrise eine Scheibe abschneiden. Die meisten grossen Hifi-Läden und -Abteilungen sind wenn nicht direkt abstossend, so doch mindestens wenig einladend: chromblitzende oder - schlimmer noch - chromstumpfe Regale, laute (Hintergrund... von wegen)Musik, die vor allem demjenigen gefällt, der gerade die Anlage bedient, billig aufgemachte Neuerscheinungs- und Sonderangebotsstapel, esoterische Sortierung, umständliche oder zumindest unbequeme Reinhörstationen. Wohlfühlatmosphäre? Fehlanzeige.

Was für mich im kleinen für den CD selbst gilt, könnte auch dazu beitragen, dass CDs online zu kaufen oder gar nur anonym-unscheinbare Dateien aus dem Netz zu saugen zumindest ein kleines bisschen weniger attraktiv wird. Tod der flackernden Neonbeleuchtung! Weg mit der undifferenzierten Lärmbelästigung! Richtet stattdessen Sitzecken mit bequemer Reinhörmöglichkeit ein, ohne dass sich Kunden an einem überfüllten Stehschalter gegenseitig zu Tode drängeln. Bietet dazu einen guten Kaffee an. Stellt die CDs in den Regalen so auf, dass man im Vorbeischlendern die Titel lesen kann und nicht eine nach der anderen durchflippen muss. Stellt nicht die Flower Kings ins Heavy Regal. Macht "Tipps" nicht davon abhängig, was sich am besten verkauft.

Musik hat Wert. Das muss man halt auch merken.

Kommentare

Fast alle Scheiben der Bands die bei InsideOut sind, werden fast alle in das Heavy Regal gelegt. Wieso weiß kein Mensch. Vielleicht weil bei Media Markt, Saturn usw. keine Leute arbeiten, die sich wirklich mit Musik auskennen und sich mal die eine andere Prog bzw. Metal zu Gemüte führen, um einen kleinen Überblick über die verpönten musikalischen Schubladen zu gewinnen.
In vielen Fällen bieten sich wirklich in keinem CD Schuppen keine Gelegenheiten um mal kurz auszuspannen und die eine oder andere CD anzuhören. Bleibt zu hoffen, dass das Konzept der Buchläden auch auf CD Abteilungen übertragen wird (ohne Techno Beleuchtung und Fernseher die auf Dauerberieselung geschaltet sind).

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