16.11.2005

Jede Festplatte ist zu klein

Jede Festplatte ist zu klein: vor kurzem wurde ich wieder einmal Opfer dieses unerbittlichen Gesetzes des Computerzeitalters. Nicht plötzlich. Aber stetig. Denn die mit 20 Gigabyte vergleichsweise üppig - für Musik, sollte man meinen - ausgestattete Festplatte meines bisherigen mp3-Players, war schon seit einiger Zeit bis zum Anschlag befüllt. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem der Nervfaktor des ständigen Löschens von alten Stücken, wenn neuer Stoff angekommen war, so groß wurde, dass ich begann, mich beim Online-Auktionator nach einem Gerät mit mehr Kapazität umzusehen. Tatsächlich war ich nach einiger Zeit zu einem sehr akzeptablen Preis erfolgreich und eine zwar gebrauchte, aber in hervorragendem Zustand befindliche Creative Zen Xtra Jukebox mit 60-GB-Platte trudelte ein.

In weniger gutem Zustand befand sich deren Inhalt. Der Vorbesitzer hatte nämlich etliche Gigabyte Musik vergessen zu löschen, war schlicht zu faul dafür oder dachte, er tut mir etwas Gutes. Aber selbst wenn es nicht illegal wäre, diese Musik nicht zu löschen, wäre ich gezwungen gewesen, es zu tun. Denn: es handelte sich großteils um Ruinen. Kaum eine der auf dem Player vertretenen CDs war komplett. Manchmal fehlten mehrere Stücke, manchmal nur eines oder zwei. Wie kann man nur, wenn man 60 Gigabyte Platz hat, nur Teile von Alben aufspielen? Schüttel. Das grenzt an geistige Körperverletzung. Vielleicht bin ich seltsam, denn ich könnte es nicht ertragen, nur Bruchstücke von Alben da zu haben. Auch, wenn ich von manchen CDs nur Teile überhaupt hören würde - dann lieber händisch überspringen.

Naja, auch musikalisch hatten mein eBay-Partner und ich nicht arg viel gemein. Für Reinhard Lakomys (eine Art Ost-Zuckowski, der allerdings wohl auch in anderen musikalischen Sparten, etwa elektronischer Musik, künstlerisch erfolgreich aktiv war) Kinderplatten interessierte ich mich frühestens dann, wenn es in meinem Haushalt ein Kind gäbe, dem ich sie vorspielen könnte. Wobei Magma vielleicht musikalisch die bessere Früherziehung ist. Reizvoller war da schon die Packung Klezmer - Klezmer ist cool. Obwohl mich Klezmer meistens melancholisch macht, selbst die fröhlichen Nummern.

Andererseits: jede Festplatte ist zu klein, und von daher kann ich den Vorbesitzer ansatzweise verstehen. Mir war's auch recht, dass ich die drauf gelassenen Albenteile hemmungslos löschen konnte, denn damit ist auch für mich die Festplatte ein kleines bisschen länger nicht zu klein.

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