06.05.2005

Jazz ist...

...Jaga Jazzists Musik trotz des Namens nur teilweise. Was sie sicher sind: ein Beispiel für die Theorie der Trägheitsüberwindung durch Blubbern. Der Name der zehnköpfigen norwegischen Band tauchte seit einigen Monaten immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen in Rezensionen oder Mailinglisten-Beiträgen auf, insbesondere in der YahooGroup [avant-progressive]. So blubberte der Gruppenname in meinem Unterbewussten an der Grenze zur endgültigen Neugier vor sich hin. Der letzte und entscheidende Stoß über meinen Ereignishorizont kam, als `seb im #progrock-dt vor ein paar Wochen Jaga Jazzist als Tipp für Mitchatter Waeller erwähnte.

Auf ihrem neuesten Album "What We Must" verbinden Jaga Jazzist auf elegante Weise Postrock, Jazz und Pop und gehen dabei weit weniger elektronisch als auf ihren vorgehenden beiden Alben "A Livingroom Hush" und "The Stix" vor, die vor allem in der Rhythmik einen deutlichen Drum'n'Bass-Einfluß aufweisen. Der Postrock-Teil kommt über manch hymnisch-schwammige Passagen mit typischen, irgendwie verwaschenen Gitarren und Wall-Of-Sound-Ansatz. Der Jazz findet sich vor allem in den Bläserlinien, wobei gerade der fließende, flüssige Flügelhornklang einen Hauch Easy Listening ins Spiel bringt. Schräg wird's aber auch, siehe etwa die verzwirbelte Anfangsmelodie von "Stardust Hotel". Diese scheint vom angezerrten Sound her von einer E-Gitarre gespielt zu sein, während die zwischen den Phrasen hörbaren Luftholgeräusche eher auf ein Blasinstrument hindeuten. Diese Zweideutigkeit passt sehr gut zur übrigen Hochzeit der oben erwähnten Elemente.

Da die Gruppe mit so vielen Musikern und aufwändiger Besetzung agiert, ergibt sich ein weiterer, vor allem für Progfreunde interessanter Vergleich: manche Abschnitte auf "What We Must" erinnern ein wenig an - jazzigere und etwas gefälligere - Isildurs Bane, vor allem dadurch, dass immer wieder Melodielinien in anderen Kombinationen von Instrumenten gespielt werden, sowie durch immer wieder eingestreute Malletpercussion-Passagen.

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