13.06.2005

Jam Session im Unterfahrt, 12.6.2005

Kaum zu glauben, aber wahr: Ich habe es tatsächlich ein zweites Mal in den Münchener Jazzclub Unterfahrt geschafft, diesmal auf Ralfs Anregung hin wieder zur allsonntäglichen Jam Session. Gestern stand aber nicht wie beim letzten Mal JazzFunkRock-Fusion auf dem Programm, sondern eher herkömmlicher Mainstream-Jazz. Die Session sollte eigentlich vom Bassisten Martin Zenker geleitet werden, der aber "verhindert" war; daher sprang der Pianist Claus Raible ein.

Das erste - kurze - Set des Abends war traditionell aus einem Bandset Raibles mit seinen beiden, dem Aussehen nach blutjungen Begleitern an Kontrabass und einem stilechten winzigen Gretsch-Jazz-Schlagzeug. Das war boppiger Mainstream-Jazz (ein, zwei Bud Powell Nummern waren dabei, wenn ich mich recht erinnere, sowie ein paar Standards), der zwar nett anzuhören war, aber mir persönlich zu wenig Ecken und Kanten bot. Raibles fingerflinke Solipassagen, die die komplette Tastatur ausnutzten, waren zwar eindrucksvoll virtuos und harmonisch gekonnt, aber für meinen Geschmack mit zu wenig schlüssiger melodischer Entwicklung. Seine beiden Begleiter swingten kompetent mit, konnten aber wenige eigene Akzente setzen, was zum Teil daran gelegen haben mag, dass während des ersten Sets der Bass - obwohl elektrisch verstärkt - im Vergleich zum Piano ein Stück zu leise war.

Danach begann die eigentliche Jamsession (u.a. mit dem Saxophonisten Claus Koch, der im nächsten Monat die Jam Sessions in der Unterfahrt leiten wird), bei der die schon vorher fehlenden Ecken und Kanten naturgemäß noch etwas glatter geschliffen waren und sich eine gewisse Gleichförmigkeit des Sounds und der Strukturen ergab, die erst mit der letzten Besetzung des zweiten Sets (Klavier, E-Bass, Schlagzeug) etwas aufgebrochen wurde, ohne dass diese mit einem mutierten, etwas freieren Blues ("Ausflug ins Reich des chromatischen Modalmusik" oder so ähnlich nannte dies anschließend Raible süffisant) wirklich zu überzeugen wußte. Die dritte Session habe ich wegen des allzu früh drohenden Weckerklingelns am nächsten Morgen nicht mehr erlebt, vielleicht wurde es ja noch spannender. Bis dato war's jedenfalls angenehme, aber wenig aufrüttelnde Nebenbeibeschallung, was allerdings bei den durchaus gesalzenen Getränkepreisen in der Unterfahrt kein sonderlich überzeugendes Argument zum Wiederkommen ist.

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