15.04.2007

Jail Bait

Ed Wood zum Zweiten. Aber auch "Jail Bait" ist bei weitem nicht so miserabel, wie es Woods Ruf befürchten lassen könnte. Im Gegenteil: Der Film hat wieder einen ernsthaften Hintergrund (nämlich eine recht explizite Anti-Waffen-Aussage) sowie eine sehr hübsche Drehbuch-Idee (nicht unähnlich dem, was Jahrzehnte später "Face/Off" versuchen würde). Leider ist diese nicht ordentlich ausgearbeitet, so dass mehrere Plot-Löcher von der größe eines Eisenbahntunnels entstehen. Davon abgesehen handelt es sich bei "Jail Bait" aber um einen gar nicht mal so schlechten Krimi mit "Film Noir"-Anklängen.

Die Handlung: Der Sohn eines angesehen Schönheitschirurgen gerät in schlechte Gesellschaft und erschießt bei einem schief laufenden Raubüberfall einen Wachmann, was eine überlebende Zeugin gesehen hat. Anschließend will er sich stellen; sein Verführer erschießt ihn deshalb, spielt dem Chirurgen aber vor, dass er dessen Sohn gefangen halte, damit der Vater ihm ein neues Aussehen verpassen kann. Dieser entdeckt aber, dass sein Sohn bereits tot ist. Trotzdem operiert er den Bösewicht - und gibt diesem das Gesicht seines toten Sohnes, so dass der Gangster für diesen gehalten und als Mörder verhaftet werden soll.

Wie gesagt: keine üble Idee. Nur dass vorher im Film explizit thematisiert wird, dass die Fingerabdrücke des Gangsters bereits polizeilich bekannt sind, so dass er auch mit anderem Gesicht jederzeit identifiziert werden könnte und als Komplizen-Mörder ebenfalls im Gefängnis landen würde. Ganz abgesehen davon, dass der Vater schon vorher Gelegenheit gehabt hätte, die Polizei schon vorher zum Mörder seines Sohnes zu führen.

Ansonsten krankt "Jail Bait" an Innenszenen, die teilweise aussehen, als ob sie in Theaterkulissen spielen und auch fast so inszeniert sind. Und Muskelmann Steve Reeves (später Held einiger Sandalen-Filme, etwa als Herkules) darf in einer seiner ersten Filmrollen einmal ziemlich unmotiviert sein Hemd ausziehen, damit man seinen Körperbau bewundern kann.

Trotzdem ist "Jail Bait" im großen und ganzen nicht wesentlich schlechter, als es viele kleine B- und C-Movies aus der gleichen Zeit waren. Ich fürchte nur, mit dem darauf folgenden Wood-Werk "Bride of the Monster" wird Edward D. Wood jr. seinem Ruf dann gerecht werden. Schaunmermoi - Fortsetzung folgt.

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