24.05.2005

Is Wurscht

Ein Bekannter aus Emden bezeichnete die normalerweise im Westen der Mitte Deutschlands verortete heimatliche Eifel mir gegenüber einmal als Süddeutschland: "Alles, wofür ich fünf Stunden schnurstracks nach Süden fahren muss, ist für mich Süddeutschland." Dieser makellosen Logik folgend, muss ich mich als zugereister Münchner wohl Nordlicht nennen. Als solches gibt es hier im Süden vielerlei Gewöhnungsbedürftiges, die üblichen Verdächtigen halt: das allenthalben schallende, ideologisch vorgefärbte "Grüß Gott!" statt eines lakonischen "Tach", "Semmel" statt "Brötchen", "Fleischpflanzerl" statt "Frikadelle". Wobei das Fleischpflanzerl sowohl von Konsistenz als auch Grundgeschmack meiner Erfahrung nach ein eigenständiges Produkt darstellt: weniger cross und würzig, mit stärker gewolftem Fleisch. À propos Wolf:

Noch stärker zu kauen - bzw. eben nicht - habe ich als Eingeborener eines Rhein und Ruhr naheliegenden und teils auch -stehenden Landstrichs aber daran: kaum irgendwo in München bekommt man eine vernünftige Currywurst! Das, was hier als Currywurst immer wieder verkauft wird, hat mit dem echten Ding noch weniger zu tun als das Fleischpflanzerl mit der Frikadelle. Zum Mitschreiben: eine Currywurst ist eine weiße Wurst, keine rote! Aber bitte keine labberige hiesige Weißwurscht (die ich als solche durchaus zu schätzen weiß!), sondern gebraten bis kurz vor die Grenze zum Angebrannten, in mundgerechte Stücke zerteilt, in würziger Currysoße ertränkt und mit Zusatzcurry bestreut.

Die Currywurst-Oasen in München sind dünn gestreut und ihre Adressen werden in Kassibern einander unauffällig von gleichermaßen darbenden Zugereisten zugesteckt. Bis auf eine, die durch Funk und Fernsehen ihren Geheimtippstatus lange verloren hat: der/die/das Bergwolf in der Fraunhoferstraße, direkt im gleichnamigen U-Bahn-Aufgang.

Das Ambiente des Bergwolf ist bizarr: eine glorifizierte Frittenhöhle, in der rustikale Karte und Bar mit Drinks und Cocktails Hand in Hand gehen. Diese Aufmachung zwischen pseudohip und Premiere-Bahnhofskneipe schlägt sich auch in den Preisen nieder, aber dennoch: die Wurst ist gut. Die Soße dazu gibt es in drei Varianten: scharf, schärfer, brutal. Wobei meine heimliche Vermutung ist, dass "brutal" der weiße Elefant unter den Currysoßen sein könnte: legendär, aber nie bestellt, denn wer traut sich da schon ran? Und wenn man eines der hauseigenen Gedecke mit Getränk, Currywurst und Pommes wählt, ist auch der Preis akzeptabel. Für den gelegentlichen Currywurst-Fix, wenn die Entzugserscheinungen unerträglich werden, taugt der Bergwolf allemal.

Kommentare

im Westen der Mitte... na gut, das stimmt.
Aber: 5 Stunden stracks nach Süden, da biste zwischen Kassel und Würzburg, von Emden aus, und genau da beginnt auch nach meinem norddeutschen Empfinden Süddeutschland so langsam... wobei ich über irgendeinen Westen und Mitten (Mitten liegen mir einfahc nicht;-)noch nie nachgedacht habe. Vermutlich ist der Mangel der nordeutschen Sichtweise der: sie ist zu platt, nur Nord und Rest (Süd), das isses eben noch lange nicht. Das ist abe rnicht bayerisch arrogant gemeint, sondern einfach nur simpel wie wir da eben sind.

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