Hyper, Hyper! (004 - Lizenz zum Tönen, Teil 3)
War 2004 das Jahr des Hypes? Jedenfalls habe ich das Gefühl, daß der Hype als Kommunikationsform dieses Jahr im [progrock-dt]-Umfeld ([progrock-dt] selbst, #progrock-dt und Babyblaue Seiten) erwachsen wurde.
Was macht einen Hype aus? "to hype: etw. aufbauschen": das kommt wohl hin. Ein Hype entsteht dann, wenn eine Person oder eine kleine Gruppe von Personen eine Scheibe/Gruppe ungewöhnlich stark loben, empfehlen, anpreisen und schnell genug ein ausreichender Teil der Rezipienten des Lobpreises auf den Fahrt gewinnenden Hype-Zug aufspringen. Zu einem ordentlich Hype gehört natürlich, daß ein kleiner, von unbeugsamen Geistern bevölkerter Teil in Opposition tritt, weil ihre aufgeblähten Erwartungen aus dem ein oder anderen Grund durch das Gehypte enttäuscht wurden und daß anschließend ein verbales Gefecht zwischen beiden Fraktionen entsteht, in dem gegenseitig nach Gusto Dünkeltum, Elitarismus, Arroganz, Querulanz und/oder Ignoranz vorgeworfen werden. Dazwischen stehen wie immer diejenigen, denen das alles einfach egal ist, zumindest so lange, bis der elektronische Lärm so laut wird, daß der Schlaf der Gerechten sich nicht weiter aufrecht erhalten läßt und die Hype-Opponenten ihrerseits beschimpft werden.
Gezündete Hypes
Die ersten 2004er Hypes, an die ich mich erinnern kann, waren wohl Taal aus Frankreich und Discus aus Indonesien. Beides sind eher obskure, sanft abgefahrene Bands, die durch den Hype ein größeres Publikum als vorher bekommen haben dürften. Ob dies musikalisch gerechtfertigt ist, muß jeder für sich selbst beantworten (ich bejahe), bei einer so kleinen Szene wie der Prog-Gemeinde sollten aber selbst die Skeptiker über jede mehr verkaufte CD einer kleinen Band froh sein: das nächste Mal könnte es der eigene Favorit sein.
Verpuffte Hypes
Ein ähnlicher Hype wie der um Taal und Discus begann sich kurz vor dem Freakshow-Festival um die Norweger Wobbler anhand zweier spektakulär guter Demo-Songs von deren Website aufzubauen, die die Band als Wiedergänger von Änglagård-selig zu zeigen schienen. Das Demo schwebte zwar schon seit einiger Zeit durch's Netz, aber erst ihr anstehender Auftritt in Würzburg brachte Wobbler vollends in Radarreichweite. Leider konnte ihr Konzert das Versprechen des Demos in keiner Weise einlösen: der komplexe, mitreissende RetroProg von dort wich hier einem soliden, aber eher unaufregendem Retro-Hardrock.
Allerdings sollte man fair sein und anerkennen, daß Taals Auftritt beim gleichen Festival ebenfalls eher enttäuschend geriet, was aber zu großen Teilen am unterirdischen Sound lag. Obendrein hatten Taal zum Zeitpunkt des Konzertes schon zwei volle Alben veröffentlicht, die die Klasse der Gruppe auch ohne Live-Bestätigung bewiesen. Vielleicht zeigen es uns Wobbler mit ihrer für's nächste Jahr auf Laser's Edge agekündigten ersten LP doch noch.
Beim nächsten Kandidat, Death & Taxe$, bin ich noch nicht sicher, ob ein Hype vorlag oder nicht. Jedenfalls sorgten drei überaus positive Rezensionen auf den Babyblauen für einiges Aufsehen und einige Bestellungen, welche aber meines Wissen - bis auf Thorstens babyblauen Widerspruch - nicht sehr viel Resonanz erzeugten: vielleicht ging es den anderen wie mir: das fragliche Album "The Alaska 12 Expeditions" ist nett und solide, aber in letzter Konsequenz weder mitreißend genug, um Lobpreisungen zu rechtfertigen, noch abstoßend genug, um offenen Hype-Widerstand herauszufordern.
Warum-eigentlich-kein-Hype?-nicht-Hypes
Ein Album, das von mir aus das Zeug zum Hype-Ziel gehabt hätte, ist French TVs "Pardon Our French", aber irgendwie zündete das an diversen Stellen angebrachte Lob nicht so recht. War der Hype-Plan 2004 zu diesem Zeitpunkt schon übererfüllt?
Kommende Hypes
Welche Hypes erwarten uns 2005? Ich prophezeie: das neue Mars Volta-Album "Frances The Mute" ist ein heißer Kandidat. Der schon durch's Netz fließende Pre-Release-Leak der eigentlich erst für Februar angekündigten Platte verspricht trotz miserabler Klangqualität Großes und viel Dikussions-Potential. Lasset den Hype beginnen :-)
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Kommentare
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Ich weiss gar nicht so viel über diese US-amerikanische Band aus der San Francisco-Bay (irre ich mich oder ist der vielbeschworene europäische Charakter der Stad
Ja, stimmt. Die habe ich vielleicht vergessen, weil Liquid Scarlet für mich mehr in die Death & Taxe$-Kategorie fallen, D&T aber einfach später und von daher frischer in meinem Gedächtnis waren.
Siehe auch:
http://www.progblog.de/index.php?/archives/66-Fluessiges-Scharlachrot.ht...
:-)
Ein weiterer Hype waren wohl auch die Schweden Liquid Scarlet, wo sich die Kritiken auf den BBS in schwindelerregende Höhe begaben. War aber anfangs nicht so ein gesteuerter Hype wie bei Taal und Discus. Der Hype hat aber dennoch seine Wirkung erzielt und die unbestrittene Qualität des Albums hat die Lobeshymnen auch gerechtfertigt. Gut, so der absolute Überflieger waren die jungen Schweden aber nun doch nicht.
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