30.11.2007

Hülsensendungen

Ganz zu schweigen davon, dass ich selbst blogge, verfolge ich natürlich auch seit geraumer Zeit einige andere Blogs, was inzwischen dank dem Google Reader bequemer denn je ist. Ich schrieb aber mit Absicht "verfolge": Alle Beiträge aller Blogs, die ich abonniert habe, tatsächlich zu lesen, wäre wohl ein Fulltime-Job. Es ist schon zeitintensiv genug, nur die Überschriften zu überfliegen und den ein oder anderen interessant klingenden Artikel tatsächlich zu lesen.

Podcasts, die Audio-Vettern der Blogs, zu hören, kostet noch viel mehr Zeit, da man weder über Podcasts schnell drüber schauen kann, noch die Konsumgeschwindigkeit selber bestimmen kann, sondern der Zeitaufwand in "Echtzeit" abhängt von dem, was der Produzent veröffentlicht. Deshalb habe ich lange Podcasts komplett ignoriert, bin aber in letzter Zeit bei einigen wenigen schwach geworden.

Als erstes beim offiziellen Lost Podcast: Die beiden Produzenten der Serie, Carlton Cuse und Damon Lindelof, sind, wie so viele Fernseh-Autoren, lustige, intelligente Gesellen, die im Podcast in amüsanter Weise inklusive etlicher Running Gags Hörerfragen beantworten und ein bisschen was zum Hintergrund der Serie verraten, wenn auch nicht allzu viel, denn ebenfalls wie alle Produzenten versuchen sie natürlich, Spoiler soweit es geht zu meiden.

Noch mehr Hintergrund-Informationen gibt es im Battlestar Galactica Podcast, der meist in Form von Kommentaren zur aktuellen Folge gehalten ist, den man also wie eine Kommentar-Spur auf einer DVD parallel zur Folge anhören kann und das Geschehen live kommentiert bekommt. Besonders interessant sind aber eher die Bonus-Podcasts, die noch weiter hinter die Kulissen schauen lassen.

So etwa ein vierteiliger Podcast, der eine komplette Sitzung im Writers' Room dokumentiert, in der die Geschichte des Serien-Specials "Battlestar Galactica: Razor" ausgearbeitet wurde. Faszinierend, wie die Schreiberlinge sich kollektiv die Köpfe zerbrechen und Motivationen für die Figuren zu entdecken versuchen; nicht in dem Sinne, dass sie sie sich willkürlich aus den Fingern saugen, sondern den bestehenden Charakter der Figur unter die Lupe nehmen und anhand dessen ergründen, wie er sich in den Situationen, die die Geschichtenidee vorgibt, wirklich verhalten würde. Das ganze in einer Atmosphäre, die aus einer Mischung aus witzigen Albernheiten, Geplapper und hochkonzentrierter Arbeit besteht.

Insbesondere der ständige bewusste Rückgriff auf Motive nicht nur aus "Battlestar Galactica" selbst, sondern auch aus anderen Filmen und Serien sowie auf historische Situationen (ich erinnere mich an Erwähnungen von "Der Pate", "Star Wars", "M.A.S.H.", "Saving Private Ryan", General Patton, Churchill, dazu einige mehr) ist aufschlußreich: Dies sind die modernen "Mythen", die das Reservoir erzählbarer Geschichten wenn nicht ausschöpfen, so doch umreißen.

Kommentare

Der Battlestar Podcast hört sich interessant an, zumal ich mich gerade hochwissenschaftlich mit dem Star Trek Universum beschäftige und in diversen Abhandlungen sogenannte Bezugspunkte aufgezeigt werden. Werde ich mir bei Gelegenheit anhören.

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