Harry, hol' schon mal die Geldsäcke
JK Rowlings Ankündigung, daß der der sechste Harry Potter Band fertig sei, kam ein paar Wochen zu spät: einige Wochen zuvor hätte ich nach dieser Nachricht bis Mitte nächsten Jahres mit dem so gerade abgeschlossenen erneuten Lesen aller bisherigen Folgen der Harry Potter-Reihe gewartet, um mich standesgemäß auf das Erscheinen von "Harry Potter and the Half-blood Prince" am 16.Juli 2005 vorzubereiten.
Ja, ich lese Harry Potter. Natürlich versuche ich gerne, mir und anderen weiszumachen, daß ich schon vor der großen Harry Potter-Hysterie gelesen habe, ich bin aber nicht ganz sicher, ob das stimmt. Meine erste selbgekaufte Ausgabe ist Band zwei in der Taschenbuch-Version von 1999, Band 1 hatte ich leihweise kurz vorher gelesen, möglicherweise schon 1998. Ich weiss aber nicht mehr genau, wie weit der Potter-Hype damals schon fortgeschritten war.
Eigentlich sollte man sich sowieso nicht dafür rechtfertigen müssen, Harry Potter zu lesen und auch noch zu mögen - auch wenn mich vor kurzem in der Tram ein leicht wirrer Christen-Fundi angesichts des aufgeschlagenen "Order Of The Phoenix" mit halblauten Tiraden bzgl. des immerwährenden qualvollen Feuers, in dem die Seelen derjenigen landen würden, die sich auf diese heidnischen Bücher einlassen, zu überziehen müssen glaubte: die Bücher sind einfach gut, zumindest großteils. Liebenswerte Charaktere, die mit dem Fortschreiten der Serie immer vielschichtiger werden (bis auf die meist schablonenhaften Nebenfiguren wie etwa die Dursley, obwohl sich gerade mit Band 5 auch bei Aunt Petunia mehr Hintergrund abzuzeichnen beginnt, als bisher für möglich gehalten), verspielte Plots, liebevolle, fast satirische Seitenhiebe auf die britische Gesellschaft durch die Kontrastierung von Wizard- und Muggle-Welt und obendrein eine unaufdringliche, unzeigefingerhaftige Demonstration von Toleranz und Aufklärung.
Das gehört für mich zu den bestechendsten Eigenschaften eigentlich aller Bände: vollkommen selbstverständlich und ohne weiteren Kommentar tauchen Figuren mit Namen wie Padma Patil und Cho Chang neben Seamus Finnegan und Dean Thomas auf. Die Problematik von Intoleranz und Vorurteilen wird stattdessen anhand des Pureblood-Wahns der Voldemort-Anhänger demonstriert. Auch Emanzipation wird ohne aufdringliches Theoretisieren einfach vorausgesetzt: Mädchen und Jungs spielen wie selbstverständlich in den gleichen Sport-Mannschaften, sogar den jeweiligen Nationalteams, Frauen haben hohe Positionen in der Schule, in Behörden und arbeiten nicht zuletzt in gefährlichen Jobs, etwa als Auror.
Und weil ich dies und die oben erwähnten weiteren Stärken der Bücher schätze, freue ich mich hemmungslos auf den sechsten Band und finde, dass der Juli viel zu weit hin ist.
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