Guapo, Landespavillon Stuttgart, 27. Mai 2005
Leider war meine Vorfreude angesichts der nur von einem Zeltdach überspannten Freilicht-Teatron-Bühne des Landespavillon im Stuttgarter Schlosspark nur von kurzer Dauer: während wir es uns - mangels A8-Verkehr viel zu früh - draußen im zugehörigen Café bequem machten, schleppte die Vorgruppe ihr Equipment in den angeschlossenen kleinen Saal. Schade, es wäre interessant gewesen, wie die angesichts des fantastischen Frühsommerwetter sehr zahlreichen Besucher des Parks auf die folgende Guapo'sche Lärmattacke reagiert hätten: das ultimative Guapo-Experiment fand leider nicht statt.
Wie leider bei so vielen Konzerten üblich, ging es erst gegen 22:00 mit der lokalen Vorgruppe los, die wir allerdings bei lauen Temperaturen draußen vor der Saal versäumten. Der stellenweise etwas holprige Poppunk, der von drinnen zu uns drang, motivierte auch nicht weiter, dies zu ändern, so dass wir uns erst gegen 23:00 tatsächlich im Saal einfanden, zusammen mit den insgesamt ca. 35-40 Zuschauern: keine begeisternswerte Ausbeute für die britische Band, aber immerhin deutlich mehr als etwa bei ihrem Konzert in Köln.
Das Konzert begann mit einer minutenlangen Einspielung vom Band: asiatisch angehauchte Percussion (Gamelan auf Speed könnte man es nennen) erscholl, dazu mischten sich der blau geschminkte, schlaksige Keyboarder Daniel O'Sullivan sowie Schlagzeuger Dave Smith mit Handgongs dramatisch flanierend unter's Publikum, schlugen die Gongs an und liessen so ziemlich jeden Zuschauer einzeln die Schwingungen direkt am Ohr spüren. Währenddessen erschien der hünenhaft gebaute neue Basser David Ledden ganz in schwarz, in kniehohen Lackstiefeln auf der Bühne und zündete in aller Ruhe eine Batterie von Räucherstäbchen an. Im wahrsten Sinne: ein Hauch von Performance Arts durchwehte den Landespavillon. Aber gottseidank ließen es Guapo nicht bei Weihrauch und esoterischem Getue bewenden, im Gegenteil. Sobald die ersten Töne des aktuellen Albums "Black Oni" erschallten, ging es in fettes, hypnotisch-massives Zeuhl-Territorium: Düstere Harmonik, verzerrtes E-Piano, polternder Bass, agressive Marschrhythmen, ekstatische Wiederholungen und fetter, m.E. aber nicht überlauter Sound. Schon im ersten Teil des Konzertes ging ordentlich die Post ab, der zweite Teil mit der Liveversion des Vorgängeralbums "Five Suns" geriet noch eindrucksvoller. Lediglich die minutenlange Bass-Feedback-und Loop-Orgie zwischen den beiden Konzerthälften zog sich ein bisschen. Überhaupt hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Gruppe soviel mit Schleifen arbeiten würde: sowohl Keyboarder als auch der Bassist nahmen immer wieder live ihre eigenen Parts auf und liessen sie dann in Loops ablaufen, während anderes dazu gespielt wurde.
Fast hat es mich angesichts der durchaus heftigen, schrägen Musik ein wenig gewundert, dass gegen Ende des Konzerts noch fast alle Zuschauer anwesend waren, sogar eine Zugabe verlangten und bekamen: ein Stück, das ich nicht zuordnen konnte. Ein paar Leuten muss es doch gefallen haben, und auch später am gut besuchten Merchandise-Stand dürfte die Band noch ein bisschen was dazu verdient haben (unter anderem hatte die Band ein Album eines weiteren Projekts mit dem schönen Namen "Miasma & The Carousel Of Headless Horses" dabei, die die Verwandtschaft mit Guapo erkennen läßt, aber symphonischer und abwechslungsreicher angelegt ist). Jedenfalls hoffe ich, dass die Tour für Guapo finanziell nicht zu verlustreich ausgefallen ist; es wäre schade, wenn es sie nie wieder nach Deutschland verschlagen würde, denn ein ungewöhnliches Konzerterlebnis waren sie allemal.
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