24.06.2004

Google Gmail

Seit kurzem habe ich auch einen Zugang zu einem der kostenfreien Betatest-Konten des neuen Google eMail-Dienstes Gmail, einem Webmail-System mit fetten 1 Gigabyte Speicherplatz für eMails.

Irgendwie scheint Google dermaßen mit Account-Einladungen um sich zu werfen, daß man kaum noch von einer "nicht-öffentlichen" Testphase sprechen kann. Gottunddiewelt haben Zugang und bekommen ständig die Möglichkeit, Freunde und Bekannte ebenfalls einzuladen. Und was macht brave Internetnetnutzer 2004 in einem solchen Fall: er verkloppt die Einladung bei eBay, was sonst? Wer also selbst einen Account will und keinen philanthropischen Bekannten mit Zugang hat, sollte einfach mal ebay.de und eBay.com prüfen... (Nein, ich habe selbst noch keine zu verschickenden Einladungs-Möglichkeiten bekommen, und wenn ich welche bekomme, will ich natürlich auch reich werden...)

Bis jetzt macht Gmail einen sehr guten Eindruck, die Organisation von eMails in Conversations erscheint selbstverständlich und übersichtlich, auch wenn manche Mail-Clients wie Mozilla Thunderbird die baumartige Anzeige von eMail-Threads schon anbieten. Das "labeln" von eMails kennt man auch schon aus diverser Mailsoftware. Bei Gmail wird es als alleiniger Ersatz zur Ordnerstruktuer herkömmlicher Mailclients benutzt. Das macht mir ein bisschen Sorge, da ich es gewohnt bin, meine eMails in etlichen dutzend verschachtelten Ordnern nach Themen/Konversationsparter sortiert aufzubewahren. Dafür kann man hier einer eMail beliebig viele Label zuordnen. Ausserdem setzen Google auch für Gmail auf ihre Kernkompetenz "Suchtechnologie": statt komplexen Ordner-Konstrukten soll der problemlose Zugriff auf archivierte Post über die bewährte Google-Suche gewährleistet werden. Wie sich das in der Praxis bewährt, kann man wohl erst nach längerer Zeit beurteilen, wenn man zum ersten mal eine Mail von vor 6 Monaten sucht.

Gmails USP (marketinesisches Neusprech ist doppelpluscool) ist - neben der integrierten Google-Suche - natürlich der für ein Webmail-Angebot üppig bemessene Speicherplatz. Aber ob das beim heutigen Mailaufkommen wirklich genug ist, um - wie Google vorschlägt - auf Dauer "zu archivieren statt zu löschen"? Nach gut einem Tag hatte ich schon ca. 1 MB des Gigabytes voll. Hochgerechnet würde der Platz damit für knapp drei Jahre reichen, allerdings war unter den bisherigen Mail auch noch keine einzige mit einem größeren Anhang.

Das Webinterface von Gmail ist jedenfalls sehr eindrucksvoll. Astreine DHTML-Programmierung, die sich fast so selbstverständlich bedienen läßt wie das GUI einer Applikation. Sogar Keyboard-Kommandos gibt es. Wer unter Cookie- und JavaScript-Paranoia leidet, hat natürlich Pech gehabt.

Ein paar Verbesserungsmöglichkeiten gäbe es allerdings:

- mehr Filter: die Anzahl von 20 möglichen Filtern pro Account zum Labeln und Verschieben von Mails scheint mir knapp bemessen. Ausserdem kann man pro Filter nur ein Label setzen lassen.
- eMail Drafts: es gibt noch keine Möglichkeit, angefangene, aber noch nicht fertig geschrieben eMails als "Entwurf" zur späteren Bearbeitung und Versand zu speichern
- Bounce forward: das von Pegasus bekannte Weiterleiten einer Mail ohne Headeränderung (Bouncing) fehlt mir auch schon bei Thunderbird, meinem momanten Mail-Client der Wahl, ebenso bei Gmail
- New Mail-Benachrichtigung: zwar hasse ich im allgemeinen Popups und lasse sie von meinem Firefox brav blockieren, aber in diesem Fall kännte ich mir ein kurzes, selbstschliessendes Popup als Benachrichtigung bei neu eingegangenen Mails vorstellen, da ich das Browserfenster mit der Gmail-Inbox oft im Hintergrund laufen habe und daher aktiv nachschauen muss, ob neue Mails eingetroffen sind

Alles in allem macht Gmail aber einen wirklich guten Eindruck, und vielleicht kommen bis zur öffentlichen Verfügbarkeit ja noch ein paar interessante Features dazu.

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