20.01.2006

Glen or Glenda, The Good Good, Kafé Kult, München, 19.1.2006

Wer hätte es gedacht: eine waschechte, aber so gut wie unbekannte, junge französische Zeuhl-Band im Kafe Kult? Oder sagen wir so: ein Zeuhl-Konzert. Denn ersten bin ich nicht sicher, ob die Gruppe, "Glen or Glenda" aus Bordeaux, selbst sich als Zeuhl-Combo sehen würde, zweitens ist ihre einzige bisher mir bekannte Platte (eine unbetitelte EP, die man in zwar geringer Bitrate, aber trotzdem ordentlichem Klang als mp3s kostenlos aus dem Netz ziehen kann), zwar auch experimentell-düster und musikalisch sehr ansprechend, inklusive erweiterter Besetzung, aber lange nicht so zeuhlig wie der gestrige Live-Auftritt: düster-atmosphärisches Intro mit zwei Keyboards und als Effektquelle eingesetzter Steelguitar, danach die volle Attacke von repetitiven Riffs, stetiger Temposteigerung, angezerrtem, wirbeligem Bass, insistentem Schlagzeug und in Komplettierung des Trios(!) düstere Linien und Akkorde vom Keyboard sowie vor allem abgedrehte Improvisationen an der Bassklarinette.

Diese Mischung ergab trotz oder wegen der Kürze des Konzert einen mitreißenden Auftritt, der auch bei den überraschend zahlreichen (sprich: 35-40) Zuhörern dem Applaus nach zu urteilen entsprechend gut ankam. Nur das anschließende Stürmen des Verkaufsstand geriet in gewissem Sinne enttäuschend. OK, ich versteh's ja, LPs sind einfach cooler und kultiger als CDs. Aber ist das ein Grund, Alben auch heutzutage nur auf Vinyl zu pressen, obendrein in der bizarren Auflage von 307 Stück? Ich habe keinen Plattenspieler. *schrei* Wenigstens kostete das neueste Werk "Goulita" nur läppische 7 Euro - und jetzt habe ich eine Vinyl-EP zuhause rumstehen, die ich in dieser Form nie hören können werde. *seufz*

Photos von Monika Baus

Wenigstens hatte die vorhergehende Gruppe, "The Good Good" aus New York (ebenfalls ein Trio mit folgender Instrumentierung: Gitarre, Gesang, Summse-Keyboard, Megaphon mit Signaltönen, Flöte, Schlagzeug, Bass), ihren bisher einzigen Tonträger names "The Wants and the want nots" auch in CD-Form mit, obendrein sehr hübsch in einer gefalteten runden Pappe aufgemacht. Diese EP repräsentiert gut den Live-Sound von "The Good Good": Ein instrumental zwar teilweise - mit Ausnahme des Bassisten - dilletantischer, aber dennoch sehr charmanter Mix aus elegischen, postrockigen Momenten, punk-poppigen Ausflügen und krachig-schrägen Passagen mit häufigen Stilbrüchen und ohne Rücksicht auf herkömmliche Songstrukturen. Sehr erfrischend, weil auf vollkommen unprätentiöse Weise experimentell.

Kommentare

Und ich hab ja schon gestern abend zugegeben und angekündigt, dass es so sein würde :-)

Stellst Du die Photos von gestern online?

Udo sprach:...weil auf vollkommen unpraetentioese Weise experimentell....

Sagt ich's doch, dass du das wortwoertlich so bloggen wuerdest....:-)

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien