14.04.2007

Glen or Glenda

Wenn schon eine meiner liebsten musikalischen Entdeckungen der letzten Jahre nach Ed Woods "Glen or Glenda" benannt ist, sollte ich mir den Film auch einmal ansehen. Da die - bereits erwähnte - "Ed Wood Collection"-Doppel-DVD (die für keine 10$ von amazon.com bekommen werden kann) seit ein paar Tagen im Regal liegt, sprach außer dem wunderbaren Wetter nichts dagegen. Aber mit einer ordentlichen Erkältung als Ausrede dafür, lieber drinnen zu bleiben, ließ sich auch dies überwinden.

Eines ist schon nach Ed Woods erstem langen Spielfilm klar: Dass er ein ernsthafter Filmemacher war. "Glen or Glenda" behandelt ein Thema, dass dem Regisseur zweifellos sehr am Herzen lag, nämlich Transvestiten - Ed Wood war selbst ein "Cross-Dresser". Große Teile des Films versuchen ernsthafte Aufklärung zu dieser Thematik zu leisten, beispielhaft am Schicksel zweier Hauptpersonen, dem Transvestiten Glen/Glenda und dem Pseudohermaphrodit Alan/Ann. Ansonsten sieht "Glen or Glenda" bis auf die Traumsequenzen (s.u.) von der Machart her im Übrigen nicht so berüchtigt billig aus wie etwa "Plan 9 From Outer Space"; hier gibt es keine (erkennbaren) Pappkulissen oder Teppichboden, der als Rasen verkauft werden soll.

Dabei ist Ed Wood nicht nur ernsthaft, sondern auch ambitioniert. Er verschachtelt in "Glen or Glenda" mehrere Erzählebenen: Die des kommentierenden "Scientists" (eher "Mad Scientists", dargestellt von Horror-Ikone Bela Lugosi), die eines Polizisten, der sich anlässlich einer Untersuchung bei Psychater über Transvestiten informiert, die von Glen/Glenda bzw. Alan/Ann und die von Horrorvorstellungen/-phantasien von Glen.

Und hier beginnt das ganze, schief zu gehen. Über krasse Anschlussfehler in manchen Einstellungen mag man schmunzelnd hinweggehen können. Aber dass Bela Lugosi zwischendrin in einem Kabinett voller Skelettteile und anderer Horror-Requisiten unverständlich-zusammenhangsloses Zeugs deklamiert, teilweise unterbrochen von dramatischen Blitzen, hat einen verdammt hohen "What the fuck?"-Faktor. Dazu kommen allgemeinplatzphilosophische Betrachtungen, die von Archiv-Aufnahmen von Stadtverkehr oder Kriegsgeschehen unterlegt sind. Schließlich die bizarren, fieberhaften Traumsequenzen, die in minimalen Kulissen vermeintliche sexuelle Aberrationen darstellen und in denen auch ein gerade erkennbar als Teufel verkleideter Darsteller auftaucht: Diese Passagen kurz vor Ende haben fast experimentellen, avantgardistischen Charakter. Hier treffen sich Kunst und Trash auf der anderen Seite der Umlaufbahn wieder.

Kommentare

Als der Filmproduzent George Weiss von der ersten Geschlechtsumwandlung erfuhr und den jungen Filmemacher Edward D. Wood, jr. damit beauftragte, einen Horrorstreifen über jene zu drehen, die sich fremd im eigenen Körper fühlten, hatte er sicher mit einem

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien