Giesinger
Wann ist etwas nicht mehr so neu, dass es nicht mehr neu ist? Jedenfalls denke ich an das Lokal "Giesinger" in der Martin-Luther-Straße immer noch als "neu", obwohl es inzwischen schon etliche Monate neu ist, quasi so lange, dass ich schon nicht mehr weiß, wie lange überhaupt. Lange genug jedenfalls, dass ich mich auch schon nicht mehr erinnern kann, was vorher in der gleichen Ladenfläche war. Ein Friseursalon? Oder vielleicht bin ich selbst inzwischen einfach nicht mehr neu genug.
Definitiv nicht mehr neu, genauer gesagt lange abgeschlossen ist der Stammtischtest; trotzdem firmiert dieser Eintrag nicht zu unrecht unter dieser Kategorie: seit unser anderes Stammlokal - das für nach den monatlichen Bowlingsessions - "Walchenseer" ebenfalls die Pforten für immer geschlossen hat (und ja, der Gedanke, dass das scheinbare Kneipensterben mit der münchner Prog-Guerilla zu tun haben könnte, ist uns schon gekommen, und wir weisen ihn weit von uns), sind wir mit einem halben Auge auf der Suche nach einer in Isar Bowling-Nähe gelegenen Lokalität für die dritte Halbzeit. Und da das Giesinger nur 200 Meter die Straße runter liegt, haben wir es letztes Wochenende endlich geschafft, es anzutesten. Ich bin aber noch nicht sicher, ob das eine gute Idee war, vor allem - siehe oben - für's Giesinger, aber da wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wieder dort landen werden - noch einmal: siehe oben - hat es vielleicht doch eine Chance. Oder auch nicht. Denn immer wieder, wenn ich mit dem Rad am Giesinger vorbei komme, schaut's darin ziemlich leer aus.
Dabei ist die Kneipe eigentlich durchaus ansprechend eingerichtet: alles aus Holz, das inzwischen auch nicht mehr so klinisch neu ausschaut, wie zu Anfangszeiten des Lokals (wann immer dieser waren), mit ein bisschen nicht allzu kitschigem Nippes hier und da. Die Musik war - mit überaus moderater Lautstärke übrigens - auch nicht schlecht, nämlich Mainstream-Jazz, und die Bierpreise (2.60 Euro für ein halbes "Graf Arco" für münchner Verhältnisse wirklich in Ordnung. Der Wirt wirkte zwar wie ein Fremdkörper im eigenen Lokal (Quereinsteiger?), aber das fand ich eher charmant als störend. Das größte Manko waren die Speisen: zum einen entspricht die Aushangkarte nicht der tatsächlichen, deutlich schmaleren Sommerkarte, zum anderen war es für die zwar nicht teuren, aber eben auch nicht unbedingt günstigen Preise verhältnismäßig "einfach". Zumindest meine Schinkennudeln waren ein bisschen sehr langweilig und lieblos, genauso wie der zugehörige kleine Salat. Bei der relativ kleinen Auswahl auf der Karte hätten die Gerichte doch etwas mehr hermachen können, insbesondere bei dem überschaubaren Publikumsverkehr.
Genug gemeckert: so schlecht fand ich's eigentlich wiederum nicht. Auf ein Getränk oder zwei in kleiner Runde kann man sicher einmal hingehen, nur nicht unbedingt zum Essen. Zumindest, solange das Lokal noch neu, d.h. überhaupt ist.
Weitere aktuelle Beiträge
- 08.02.2009 - 13:36
- 04.02.2009 - 10:11
- 20.01.2009 - 16:49
- 14.01.2009 - 14:21
- 11.01.2009 - 16:42
Audio-Beiträge
- 24.11.2008
- 24.10.2008
- 23.07.2008
- 01.06.2008
- 08.04.2008
Bildergalerien
- 11.01.2009
- 12.11.2008
- 16.10.2008
- 30.09.2008
- 15.09.2008
Kommentare
Ach Thorsten: NEIN!! Das Geheimnis der Pleiten auf unserem Weg liegt vielmehr darin, das ausser uns niemand die gewählten Lokalitäten zu schätzen weiß!
ähem - zum Thema Kneipensterben und Zusammenhang mit unserer Prog-Guerilla:
Haben wir eigentlich je dran gedacht, dass die nicht Pleite gemacht haben, sondern durch uns plötzlichen Reichtum geerntet haben?
Und wer beim Essen gerne weint bestellt Penne arrabiata wie ich :-) Hölle! Meine Geschmacksnerven auf der Zunge sind immer noch tot ......
Kommentar hinzufügen