Gamma I Quadrilogy (Gamma Uno Tetralogie)
Ich weiß nicht mehr welche (ich glaube, es war "Frankenstein meets the Space Monster)", aber eine der DVDs mit trashiger SciFi, die ich vor einiger Zeit erwarb und ansah, war als Pseudo-Drive-In-Kinoprogramm aufgemacht. D.h. vor dem eigentlichen "Feature" gab es 60er-Jahre-Werbespots und Trailer für verschiedene thematisch ähnlich gelagerte Filme. Darunter ein großartiger, großartiger Trailer für ein Werk namens "Wild, wild planet": Wenn der Film einigermaßen das einhalten würde, was der Trailer - den man sich im Übrigen auch online auf der Website des amerikanischen Fernsehsenders Turner Classic Movies anschauen kann - verspricht, handelte es sich bei "Wild, Wild Planet" um nicht mehr und nicht weniger als den großartigsten, spaßigsten, abgedrehtesten, in einem Wort coolsten Science-Fiction-Film der 60er Jahre.
Wild, Wild, Planet / I Criminali della galassia / Raumschiff Alpha
Wie aber diese längliche Einleitung nahe legt, ist dem nicht so. Dies liegt natürlich nicht an der an sich totalen Nonsense-Grundgeschichte (das erwartet, ja erhofft man sich schließlich), die zu keiner Sekunde erklärt, in welchem Zusammenhang mit den Plänen des obligatorischen verrückten Wissenschaftler, den perfekten Mann-Frau-Hybrid-Menschen zu schaffen, es steht, dass die jeweils zweiköpfigen, aber sechsarmigen Kommandos bestehend aus Glatzen-Mutant und hübschem Fräulein ohne erkennbares Muster auf der Erde Menschen miniaturisieren, um sie anschließend in einen kleinen Koffer zu sperren und zu entführen. Auch nicht an den erschreckend billigen Modellbauten, die futuristische Städte darstellen sollen oder den mühsam auf exotisch-modern getrimmten Mini-Autos, die über menschenleere Straßen zockeln.
Sondern daran: "Wild, Wild Planet" hat viele einzelne mehr als großartige Momente, viele herrlich verdrehte Ideen (siehe oben: vierarmige glatzköpfige, sonnenbebrillte Kunstwesen, kampfkunstgeschulte Bikini-Babes, Zuchtanlagen für miniaturisierte Organe, groovy Kulissen, Ausdruckstanz in Insektenkostümen, die unvermeidliche Party-Tanz-Szene und Co.). Aber fast alle davon sind nahezu komplett in eben diesen zwei Trailer-Minuten enthalten, was die immer wieder Viertelstunden langen Leerlaufpassagen im eigentlichen Film natürlich unterschlägt (ein ähnliches Missverhältnis zwischen Trailer-Coolness und kompletten Film herrscht übrigens auch bei "Queen of Blood").
Dies hat mich natürlich nicht davon abgehalten, mir auch die anderen drei Filme der Reihe zu besorgen. Yep. Regisseur Antonio Margheriti drehte nämlich innerhalb dreier Monate vier Science-Fictione-Filme in den gleichen Kulissen ab, jeweils zwei davon obendrein mit den gleichen Schauspielern, die auch die gleichen Figuren darstellen. Fixpunkt der Tetralogie ist die Raumstation "Gamma I", dementsprechend ist das Ganze in den USA, in denen Warner die Filme vertrieb, auch als "Gamma I Quadrilogy" bekannt.
The War of the Planets / I diafanoidi vengono da Marte / Tödliche Nebel
Erstaunlicherweise ist "The War of the Planets", der zweite Teil der Serie, bei allem auch hier vorhandenem plottechnischem Quatsch und technologisch wirrem Gebabbel ein zutiefst humanistischer Film, auch wenn er im Großen und Ganzen konventioneller als "Wild, Wild Planet" daherkommt und mehr in die Richtung traditioneller Space Operas tendiert, ergänzt durch leichte Horrorelemente (siehe das Schicksal einer Erkundungscrew auf einer überfallenen Raumstation, inklusive klassischer grün-roter Beleuchtung). Dazu kommt diesesmal ein eher klassisch orchestraler, aber enorm effektiver, geradezu nobler Soundtrack.
Der Humanismus des Films zeigt sich schon zu Beginn: Zur Feier der Jahreswende bietet die Gamma I ein "space spectacular", bei dem die Raumstation selbst eine Art Tanz im Raum aufführt, obendrein gibt es außerhalb der schützenden Hülle der Station Formationstanz in Raumanzügen. Das zeichnet Menschen aus, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben: Restlos alles, auch Technik und Arbeitswelt, für Spaß und Spiel nicht nur nutzen zu können, sondern tatsächlich auch zu nutzen, als ob dies das Normalste der Welt wäre, ja, weil es es ist.
Wichtiger aber ist der Kontrast zwischen den invadierenden Außerirdischen - die eigentlich nur eine Art grün angeleuchteter Kunstnebel sind, aber als parasitäre Energiewesen von Andromeda menschliche Körper besetzen und übernehmen können, worauf hin diese starren Blickes zu reinen fernkontrollierten Handlangern werden - und dem Hedonismus der Helden, die immer Zeit für's Feiern, Genießen und Liebesdreiecke zu haben scheinen. Selbst als Cmdr. Halstead, übrigens ein notorischer Befehlsverweigerer, was von seinen Vorgesetzten anscheinend mit wenig mehr als einem Schulterzucken toleriert wird, und seine Besatzung von den Diafoniden gefangen werden, wird sich erst einmal an marsianischem Nektar gelabt und fleißig Hummer gefuttert.
Die Aliens hingegen reden ständig davon, dass das, was sie vorhaben, gut für's Ganze sei, und: "gone the emotions, serenity prevails". Nur sind eben auch Empathie und Mitgefühl ur-menschliche Gefühle, und den vollkommene Mangel dessen bei den Invasoren kommentiert eine der Figuren, die Thematik des Films damit auch explizit formulierend (denn natürlich ist es das nicht, schließlich sind es keine Menschen, um die es geht, auch wenn sie in Menschengestalt auftreten), mit "you can't do that, it's not human". Ja, sogar: "He's possessed by the devil", in hübscher Verzerrung des traditionellen Teufelsbilds, das nicht nur Amoralität aufweist, sondern auch Zügellosigkeit, Unkontrolliertheit, die aber im Gegensatz zu den lebenslustigen menschlichen Figuren die streng diszipliniert auftretenden Außerirdischen ebenfalls komplett vermissen lassen.
Natürlich geht die Geschichte trotzdem, oder gerade deshalb, gut aus, und schließlich muss es ja noch zwei weitere Fortsetzungen der Reihe geben. Leider geht die Qualität mit diesen beiden wieder steil bergab.
War Between the Planets / Il pianeta errante / Orion 3000 - Raumfahrt des Grauens
"War Between the Planets" ist im Prinzip eine Art "Armageddon"-Vorläufer: Ein "wilder" (d.h. ohne Umlaufbahn) Planet rast auf die Erde zu und löst durch seine Gravitationskräfte Naturkatastrophen aus. Gamma-I-Kommandeur Rod Jackson wird mit einem Raumschiff losgeschickt, diese Gefahr abzuwenden. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlich planetaren Irrläufer um eine riesige Lebensform handelt, die von Jackson und Co. kurzerhand abgeschlachtet und damit "entschärft" wird.
Zugute halten kann man "War Between The Planets" trotz der noch konventionelleren Geschichte einen etwas "realistischeren" (im Sinne von leicht dreckigeren) Look (zumindest im ersten Teil) und eine halbwegs überzeugende Darstellung der Panik und Hilflosigkeit des Oberkommandos und seiner Befehlsempfänger angesichts einer weltbedrohenden Situation. Mehr als fragwürdig ist aber das völlige Fehlen jeglicher ethischer Reflektion angesichts der Entdeckung, dass man es mit einem Lebewesen und nicht unbelebter Materie zu tun hat. Gesprengt wird so oder so, keine Spur des Versuchs einer Kommunikation oder wenigstens von Zweifeln. Es war anscheinend noch ein weiter, wenn auch zeitlich eher kurzer, Weg hin zum "Entdecken und Erforschen"-Ethos Star Treks.
The Snow Devils / La morte viene dal pianeta Aytin / Dämonen aus dem All
The Snow Devils schließlich ist nur noch albern, aber dabei schrecklich langatmig. Außerirdische versuchen, mit Hilfe von Energiestrahlen die polaren Eisfelder der Erde zu schmelzen, um eine weltweite Überflutung zu provozieren, damit anschließend der Planet bei erneuter starker Abkühlung komplett von Eis bedeckt sei. Denn es handelt sich bei ihnen um grüngesichtige, zottelige Quasi-Yetis, die Unter-Null-Temperaturen zum Überleben brauchen, deren Heimatwelt aber durch kosmischen Drift vom Untergang bedroht ist. Dementsprechend bauen sie ihr Relais im ewigen Schnee des Himalajas auf, wo sie von Cmdr. Jackson entdeckt und vorläufig neutralisiert werden. Warum ausgerechnet der Kommandeur einer Raumstation mit dieser Aufgabe betraut wird, ist - handlungsintern - nicht ganz klar. Handlungsextern schon eher: Zum einen wäre sonst der nominelle Held der Geschichte mehr als einen halben Film - soviel spielt nämlich dieses Mal auf der Erde - arbeitslos, zum anderen wird eben dieser Jackson schließlich losgeschickt, um die eigentliche Basis der Schneeteufel auf dem Jupitermond Kallisto zu zerstören.
Bis es soweit ist, müssen die Protagonisten aber erst minutenlang durch firnigen Alpenschnee (auch wenn's in Asien sein soll) stapfen , um danach ebenso quälend lange Minuten zwischen Erde und Raumstation bzw. Gamma I und Jupiter zu fliegen, wobei anscheinend jede einzelne Befehls- und Navigationssequenz gezeigt werden musste, weil ansonsten die Mindestlänge für einen Spielfilm nicht erreicht wurde. Dies zusammen mit der mehr als infantilen, ja perfiden Darstellung des augenrollenden, grimassierenden, herumhüpfenden Sherpa-Anführers, zusammen mit den billigen Yeti-Masken und der ebenfalls wenig einfallsreichen Geschichte sorgt dafür, dass "The Snow Devils" der schwächste Eintrag einer unebenen Tetralogie bleibt.
"Wild, Wild Planet" - wegen der wilden Ideen und des groovigen 60s-Looks - und "The War of the Planets" - wegen der soliden Geschichte mit etwas Tiefgang - kann aber trotzdem empfehlen, auf jeden Fall, falls sie einmal auf "Tele 5", dem "Vierten" oder "Premiere" in der Flimmerkiste laufen sollten.
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