24.04.2007

Freakshow Artrock-Festival, Café Cairo, Würzburg, Tag 1, 21.4.2007

Ein neues Jahr, ein neues Freakshow Artrock Festival. Für eine Fortsetzung sah es nach dem mickrigen Zuschauerzuspruch im letztem Jahr nicht allzu gut aus, aber irgendwie hat es der unermüdliche, nicht unter zu kriegende Charly Heidenreich trotzdem geschafft, eine weitere Ausgabe auf die Beine zu stellen. Und was für eine. Danke Charly! Und wenn ich das Leuchten in seinen Augen nach den Auftritten von Panzerballett und von Sebkha-Chott richtig deute, wird es auch im nächsten Jahr ein Freakshow Artrock Festival geben, in welcher Form auch immer.

Das Café Cairo war zwar bereits Austragungsort früherer Freakshow-Veranstaltungen, doch das Festival gastierte zum ersten Mal dort. Für den kleineren Rahmen, in dem das Festival in den letzten zwei Jahren abläuft, ist das Café Cairo aber gut geeignet. Im Innenhof kann man vor und zwischen den Konzerten (und dank der inzwischen zum Ritual wohl fest dazugehörenden Verschiebungen im Zeitplan waren diese Phasen mal wieder sehr ausgedehnt) in Ruhe sitzen und sich mit den anderen Festival-Besuchern austauschen oder an den diversen Ständen CDs erwerben, die Größe des Veranstaltungsraums ist für um die 100 Zuschauer fast ideal. Die Bühne ist zwar eher klein, auch wenn Yugen mit immerhin acht Musikern irgendwie darauf passten.

Die erste Band des ersten Tages waren Moon Safari aus Schweden mit ihrem locker-flockigen, deutlich flower-kings-inspierten Retro-Prog. Die luftige, sonnige, vielleicht stellenweise leicht zu süßliche Stimmung der Musik passte durchaus zum Wetter und dem Konzertstart am frühen Nachmittag, auch wenn davon im zunehmend wärmer und stickiger werdenden Inneren des Cairo nicht mehr viel zu spüren war. Neben Material von ihrem bisher einzigen Album "A Doorway To Summer" spielten Moon Safari auch zwei neue Stücke, die in die gleiche Richtung gingen, vielleicht aber eine Spur rockiger ausfielen. Dennoch dürfte, wenn der Rest der neuen CD ähnlich ausfällt, das kommende Album all denen gefallen, die auch schon "A Doorway To Summer" mochten.

Moon Safari leben sehr stark von den allgegenwärten mehrstimmigen Gesangspassagen. Leider fielen diese immer wieder eher wacklig aus, was aber zum Teil am Bühnensound liegen dürfte. Nach dem Konzert und am nächsten Tag zelebrierten Moon Safari ihre Gesänge nämlich immer wieder im a capella im Hof und klangen dabei tatsächlich sauberer, auch wenn sie die Nerven der Konzertbesucher durch das ständige Gesinge zu strapazieren begannen. Ein weiterer Kritikpunkt war der immer wieder unsicher wirkende elektrische Gitarrist, der obendrein im Mix ziemlich weit hinten versteckt wurde. Wie ich aber später erfuhr, handelt es sich um ein neues Bandmitglied, das erst seit vier Wochen mit der Gruppe probt und in Würzburg seinen ersten Live-Auftritt mit Moon Safari hatte, insofern ist wohl etwas Nachsicht angebracht. Aber auch ohne diese war es ein ordentliches, wenn auch nicht großes Konzert.

Die anschließenden Indukti konnten mich im Gegensatz zum Großteil der anderen Besucher überhaupt nicht begeistern. Außer - zugegenermaßen sehr fettem - düsteren Riffing in ungeraden Taktarten hatten die Polen nicht sehr viel zu bieten. Die Stücke liefen fast alle nach dem gleichen Schema ab: ruhiges Intro, Riffing mit Steigerung, Schluß. Dazu kam eine komplett ungenutzte Präsenz der Geigerin, die bestensfalls anderthalb Töne, oft nur einen Ton pro Takt spielen durfte, wollte oder konnte. Wenn man ein solches ausgesprochenes Melodie-Instrument an Bord hat, könnte man doch auch einmal eine Melodie einstreuen...

Headliner des ersten Tages waren Yugen aus Italien, die bereits mit ihrem ersten Stück, einer sehr Avantgarde-Improvisation, gleich klar machten, dass ab sofort "richtig schräger Kram" angesagt sei. Acht Musiker (drei Keyboarder, zwei Holzbläser, Violine, Gitarre, Schlagzeug) spielten hochkomplexen Kammerprog, der zwischendrin immer wieder auch rockigere, heftigere Ausbrüche bietet. Musikalisch war das Ganze - genauso wie das Yugen- Studioalbum - definitiv sehr spannend und stellenweise von der Darbietung her angesichts dere Verzwirbeltheit der Komposition beeindruckend. Trotzdem wirkte die Band nicht ganz so "tight", selbstverständlich, kompakt und exakt, wie ich es mir gewünscht hätte, was aber großteils am nicht sehr überzeugenden Schlagzeuger lag, dessen Set obendrein leider einen ziemlich üblen Matschsound hatte. Übrigens gab es auch zwei Cover-Stücke zu hören, Gentle Giants "So Sincere" und "Larks' Tongues in Aspic, Pt. 1". Erstere fand ich nicht sonderlich gelungen, eben wegen fehlender Exaktheit (was aber die bemerkenswerte Leistung von Gentle Giant damals ins durchaus richtige Licht rückt), letztere kam gut und druckvoll, auch wenn Gitarrist Francesco Zago in den rasend schnellen fripp'schen Arpeggio-Stelle verhaspelte. Dennoch: Insgesamt ein eindrucksvolles Konzert modern kammermusikalisch angehauchter Rockmusik, wie man es (leider) nicht alle Tage zu hören bekommt.

Schön, dass es am zweiten Tag des Festivals noch interessanter und besser wurde.

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