24.10.2007

FreakParade II, 19. & 20.10.2007, akw! & Cafe Cairo, Würzburg

Nach der ersten Auflage der Verschmelzung von ProgParade und Freakshow, ging die FreakParade heuer in die zweite Runde, diesmal sogar als zweitägige Veranstaltung. Wobei es eigentlich treffender scheint, den ersten Abend als Sleepytime-Gorilla-Museum-Konzert mit Vorband zu betrachten, und Samstag als die eigentliche FreakParade: Freitags im akw! war der Publikumszuspruch sehr gut, nur leider wurden weit überwiegend Tageskarten für Freitag verkauft - was ich u.A. deshalb genau weiss, da ich an der Kasse saß.

Einerseits freut es mich, dass SGM anscheinend endlich die ihnen gebührende Wertschätzung auch in Deutschland erfahren, andererseits war's natürlich schade, dass dadurch der Samstag mit vier Bands ein bisschen in den Schatten gestellt wurde, insbesondere, da mit den Italienern Gecko's Tear musikalisch ebenfalls ein echter, "exotischer" Knaller dabei war. Dafür war natürlich die Atmosphäre am Samstag sehr familiär und entsprach dem "[progrock-dt]-Listentreffen"-Anspruch, den die ProgParades in früheren Jahren stellten und erfüllten.

Durch meine Kassentätigkeit habe ich von der ersten Band des ersten Tags, dem "Ikarischen Ensemble" leider nicht viel mitbekommen. Was ich von nebenan hören konnte, bestätigte aber den Eindruck, den deren Album bei mir hinterlassen hatte: Dass es sich um eine instrumental und musikalisch überaus hochwertige deutsche Gruppe zwischen Jazz, Klassik und Metal handelt. Die von mir an anderer Stelle beklagten Texte der Ikarier konnte ich gottseidank nicht verstehen...

Der anschließende Auftritt der Avant-Metaller Sleepytime Gorilla Museum war wieder mehr als überzeugend, wenn mir auch ihr Freakshow-Festival-Gig als noch intensiver und atmosphärischer in Erinnerung geblieben ist. Dafür war's etwas avantgardistischer angehaucht, und es gab kaum Überschneidungen im Programm. Übrigens: Der Zeitplan wurde im Gegensatz zu den meisten anderen Festivals in Würzburg am Freitag nahezu eingehalten, so dass Sleepytime Gorilla Museum mit ihrem Auftritt noch vor 24:00 Uhr durch waren.

Am Samstag kam es im Zeitplan zwar zu ein paar Verzögerungen, allerdings nicht zu allzu dramatischen. Fast pünktlich (will heißen: mit weniger als einer Stunde Verspätung) begann Dominik Müller sein Soloprogramm (Piano plus Gesang). Neben einigen seiner Eigenkompositionen wie dem langen "Sturmweh" oder "Gedanken", die man in den durchinstrumentierten Versionen kostenlos von seiner Homepage laden kann, gab er ein paar sehr gelungene Prog-Klassiker-Cover zum besten, insbesondere eine wirklich feines ELP-Nummer, etwas Genesis, King Crimson und Yes. Sehr nett und trotz der spartanischen Instrumentierung keine Sekunde langweilig. Insbesondere Dominiks Live-Gesang hat mich positiv überrascht; dieser klang sogar kraftvoller und sicherer als auf seinen Studio-Alben.

Die anschließen Würzburger Oeder fand ich leider eher ihrem Namen entsprechend. Schlecht gemacht waren die vier oder fünf Stücke, die ich mir anhörte, sicher nicht, aber trotz Theremin und gelegentlicher Haken letztenendes doch zu braver Singer-Songwriter-Stoff, um mich im Saal zu halten.

Danach kamen die Italiener (Neapolitaner, wenn ich mich nicht irre) Gecko's Tear, die mich und dem Applaus nach zu urteilen den Rest des Publikums begeisterten. Komplexe, aber wie Sau groovende Kompositionen, virtuose Instrumentenbeherrschung und eine unprätentiöse, lockere Bühnenpräsenz (inklusive nahezu perfektem Deutsch von Frontmann Claudio Roecker Mirone) ließen mehr als einmal den Geist von "Mr. Bungle" durch's Cafe Cairo schweben, nur eben mit italienischer Lockerheit garniert. Cool.

Den abschließenden Auftritt der Freakshow- und ProgParade-Veteranen High Wheel hat Fix im Prinzip perfekt kommentiert, weshalb ich seine Aussage hier einfach wiedergebe: "Man vergisst immer wieder, wie gut High Wheel tatsächlich sind". Die Band aus Miesbach lieferte mit ihrem Mix aus harten Klängen, Neo- und Retro-Prog sowie sphärischen Momenten einen wieder einmal sehr unterhaltsames Konzert und ist wirklich eine der wenigen Truppen aus Deutschland, die an die Prog-Weltklasse heranreichen (zum letzten Schritt fehlt es meines Erachtens nur an souveränerem Gesang und weniger hausbackener Keyboard-Arbeit).

Schade nur, dass der FreakParade-Samstag im Gegensatz zu den gut 150 Zuschauern tags zuvor nur von insgesamt vielleicht 50 oder 60 Getreuen wahrgenommen wurde. Dabei hätte alleine Lutzens Progger-Frühstück und die mit mehr als 200 Preisen wirklich attraktive Tombola es einen Besuch wert sein müssen ;-)

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