13.09.2005

FreakParade, akw!, Würzburg, 11.9.2005

Das akw (Autonomes Kulturzentrum Würzburg) erwies sich trotz meiner anfänglichen Skepsis angesichts des urig-charmanten, aber etwas versifften Ambientes schließlich doch als ideales Umfeld für die FreakParade, die erste (offizielle) Kooperation von Charly Heidenreichs Freakshow-Initiative und [progrock-dt]. In ein altes Fabrikgelände mit lauter Ziegelbauten eingebunden, hatte der Veranstaltungssaal genau die richtige Größe für die schließlich ca. 150 Besucher. Der angeschlossene, noch nicht ausgebaute größere Raum im gleichen Trakt mehr als genügend Platz für die gleichzeitige CD-Börse. Die akw-Kneipe direkt gegenüber war ein willkommener Rückzugsraum für die Pausen zwischen und nottfalls während der Auftritte und versorgte nicht nur - wie auch die Theke im Vorraum des Veranstaltungssaals - durstige, sondern auch ausgehungerte Konzertgänger.

Beinahe pünktlich ging es kurz nach 15:00 los mit den blutjungen Skybirth aus Bonn, die sich trotz wenig Liveerfahrung und ihres eben nicht vorhandenen Alters (die Musiker mussten mangels Führerscheine von ihren Eltern zum Festival gefahren werden) souverän präsentierten und sehr ansprechende instrumentale Kompositionen aus dem RetroProg-Umfeld darboten: jede Menge ebenso virtuos wie showträchtig inszenierte, analoge Keyboardklänge, ein (vielleicht manchmal sogar zu) verspielter Bassist, tragendes und solides, aber nicht langweiliges Drumming und fingerflinke Flitzegitarre aus der Satriani-Schule mit leichter Heavy-Attitüde. Ein paar Haker und ausbaufähige Ideen gab es natürlich, aber: "nobody's perfect", nicht einmal die späteren Headliner Echolyn (bei diesen Stichwort: Leadkeyboard-Sounds, siehe unten), und die haben Skybirth 15 Jahre Band- und Bühnenerfahrung voraus.

Die Lokalmatadoren Nordberg gaben sehr sauber - erst recht angesichts der kurzen Bandgeschichte - und straff gespielten rockigen Neoprog mit dominantem Bass, knackiger, sehr sicherer Gitarre und doppeltem weiblichen Gesang. Unter anderem deshalb fühlte ich mich gelegentlich an die Pfälzer Esthetic Pale erinnert, allerdings gehen Nordberg etwas härter ans Werk. Allerdings bin ich weder ein Freund des Genres, noch von Frauenstimmen, und auch Nordberg konnten daran trotz des eindeutig hörbaren Talents und Könnens der Musiker nichts ändern.

Echolyn trafen trotz langer Fahrt inklusive Stau kurz nach Beginn des Nordberg-Konzerts ein. Zwar hatte sich der Zeitplan zum Beginn ihres Auftritts - wie üblich - leicht verschoben, aber eine Verspätung von einer Stunde zur dritten von drei Bands ist so gut wie pünktlich, und ein Konzertbeginn von 20:00 bedeutete immer noch für die weiter angereisten Besucher (darunter uns Münchner) einen vertretbaren Zeitpunkt für den Rückreiseantritt. Wie schon angedeutet: Echolyn rockten das Haus. Hervorragend eingespielt, fette Arrangements, grandioser Sound, tolle Stimmung: Echolyns Mischung aus rockig-eingängigen Passagen und krumm-komplexen, verspielten Teilen begeisterte das Publikum durchgängig, und diese Begeisterung strahlte zurück auf die Bühne (siehe auch den entsprechenden Eintrag im "Echolyn Tour-Diary"), wo sich die Band im Laufe des Auftritts zunehmend wohler fühlte und offensichtliche eine Menge Spaß hatte. Besonders herausheben muss ich noch Hauptsänger Ray Weston: dessen Stimme wirkt auf den Studioalben immer etwas gepresst und knödelig. Was er aber live ablieferte, war allerallererste Sahne. Sicher, souverän, kraftvoll und obendrein mit dem nötigen Charisma, ohne albernes Posergetue. Überhaupt wirkte die Band auf der Bühne sehr wie eine Einheit von fünf mehr oder weniger gleichberechtigten Musikern, ohne offensichtliche Häuptlinge.

Einziges musikalisches Manko waren gelegentlich Chris Buzbys arg penetrant-quietschige Solo-Synthesizer-Sounds. Das kann der Nordlead, den er benutzte, besser, wenn man ihn nur richtig programmiert. Da dies aber nur punktuell und nicht allzu häufig zum Tragen kam, gibt es insgesamt an diesem Konzert kaum etwas zu meckern. Echolyn nahmen sich direkt nach dem Auftritt Zeit, mit den Zuschauern zu reden und für Photos zu posieren oder CDs zu unterschreiben, und so endete ein überaus angenehmes FreakParade-Wochenende, das musikalisch und dank gutem, wenn auch nicht überragenden Zuschauerzuspruch auch finanziell ein voller Erfolg war und eine Wiederholung im nächsten Jahr wünschenswert macht (sofern die heuer gewonnenen Erfahrungen nicht vergessen, sondern berücksichtigt werden).

Kommentare

He, he, witzigerweise musste ich bei Nordberg auch ständig an Esthetic Pale denken, zumal deren aktuelles Album bei mir im Moment des öfteren im Player landet. Im direkten Vergleich gewinnen bei mir (im Moment) allerdings Pale, weil ich den Gesang bei Nordberg bei weitem nicht so toll fand, sondern eher ein bisschen monoton. Die Keyboarderin sang für meinen Geschmack besser als die niedliche Asiatin.

Skybirth könnten mal richtig gross werden. Was die Jungs heute schon liefern ist sehr beeindruckend.

Echolyn sind meine offizielle neue "Beste Liveband der Welt", hätte nicht gedacht, dass so schnell jemand Saga und Riverside von diesem Thron stösst ;-)

Aber: Immer dieses Gemeckern über Herrn Buzby. Ohne seine schrägen Leads wäre Echolyn doch nicht dasselbe. Ich finde den klasse, aber ich weiss, ich habe auch schräge Ohren...

ThomK

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