Frankenstein & Curse of Frankenstein
Aus aktuellem Anlass ein Ausflug tief in die Geschichte des Horrorfilms:
Vor ziemlich genau 50 Jahren veröffentlichte die britische Produktionsfirma "Hammer Films" den ersten in einer langen Reihe von inzwischen verehrten Horror-Filmen, "The Curse of Frankenstein", der nicht nur eine Renaissance des damals bereits angesichts der Science-Fiction-Mode als altmodisch angesehenen klassischen Horror-Genres mit einleitete, sondern mit Peter Cushing und Christopher Lee zwei später veritable Stars zum ersten Mal ins Blickfeld der Öffentlichkeit schob.
Schon "The Curse of Frankenstein" begründet den typischen Hammer-Look mit kräftigen Farben, billigen, aber sorgfältigen Kulissen und charismatischen Darstellern. Dass der Film damals tatsächlich skandalträchtig war und von Kritikern und Behörden als dem Publikum kaum zumutbarer Schocker, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen. Die für's heutige thriller- und horrorgestählte Gemüt sind die wenigen Schockeffekte und Gewaltszenen kaum der Rede wert. Anders schaut es mit dem Verhalten des titelgebenden Grafen aus, der gleichzeitig eindringlich und distinguiert von Cushing dargestellt wird. Während Frankensteins Kreatur (Lee) hier kaum mehr als ein künstlich erzeugtes Tier ist mit menschlichen Umrissen ist, ist Frankenstein selbst eindeutig das ware Monster. Getrieben von Ehrgeiz und intellektueller Arroganz, geht er im mehrfachen Sinne über Leichen, um seine Schöpfer-Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen. Die Skrupellosigkeit gleich gleichzeitiger Nonchalance der Figur sind auch heute noch beeindruckend und abstoßend.
Anders sieht es im berühmten Universal-"Frankenstein" aus dem Jahre 1931 aus. Dort ist Frankenstein nicht wie in der Hammer-Version die uneingeschränkte Hauptfigur des Films und bei weitem nicht so moralisch verwerflich (was damit einher geht, dass Boris Karloff als Monster die eindringlichsten Szenen des Films bekommt), sondern menschlicher angelegt, obschon Frankenstein auch hier keine reine tragische Figur ist. Dafür ist Karloffs Monster hier ein einfühlsames Wesen und ebenfalls Opfer, selbst bzw. vor allem in dem Moment, in dem die Kreatur ein kleines Mädchen mehr oder weniger unabsichtlich umbringt.
So kann man diesen Frankenstein auch weniger als Warnung vor den Gefahren blinden promethischen Forschungsdrangs, denn als ein Pladoyer für den verständnisvollen und behutsamen Umgang miteinander lesen: Ob der andere zum Monster wird, liegt möglicherweise an einem selbst. Abgesehen davon ist natürlich Karloffs Kreaturen-Maske seither längst zum oft parodierten Klischee geworden, aber die ikononische Kraft, zum Klischee werden zu können, muss ein Bild erst einmal haben.
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