08.12.2006

Feast

Heutzutage werden nicht nur Sänger, Bands, Models und Tänzer über's Fernsehen öffentlich "gecastet", sondern auch Filmemacher: In den USA liefen drei Staffeln der Serie "Project Greenlight", in der Drehbuchautoren und Regisseure nach einem Auswahlprozess die Chance bekamen, einen professionellen abendfüllenden Film zu produzieren. In der dritten Staffel wurde eine waschechtes Splatter-Horror-Drehbuch ausgewählt, das vom Regie-Gewinner John Gulager verfilmt wurde: "Feast". Zwar hat es der Film nicht zu einer umfassenden Kinoveröffentlichung geschafft, ist aber natürlich inzwischen auf DVD erhältlich.

Die Grundidee von "Feast" ist klassisch: In einer abgelegenen Kneipe an einem US-Highway trifft eine Reihe unterschiedlicher Personen aufeinander, etwa Musiker Henry Rollins als Motivationstrainer oder Schauspieler Jason Mewes ("Jay" aus Kevin Smiths New-Jersey-Reihe) als er selbst. Als die Bar aus heiterem Himmel von einer angepissten Familie aggressiver Aliens belagert wird, kommt es, wie es kommen muss: Das Blut spritzt, Gliedmaßen fliegen und die Aliens, aber auch die Maden, die einen der verletzten Charaktere infizieren, und vor allem Splatter-Freunde haben ein Fest.

Dies ganze wird nach der unvermeidlichen Exposition mit einer guten Mischung aus blutigem Splatter, Schocks und Gags temporeich präsentiert, stellenweise vielleicht ein wenig zu flott: Viele der überfallartigen Kampfszenen sind so rasant inszeniert, dass man kaum mitbekommt, was passiert. Dies mag aber auch dem nicht übermäßig großen Budget geschuldet sein, da man nur selten einen guten Blick auf die Monster erhaschen kann (wobei diese Anonymität des Bösen andererseits die Bedrohung vielleicht noch eindringlicher macht). Wenn man die Außerirdischen dann doch einmal sieht, sehen sie aus wie eine wirklich abstoßende Kreuzung aus Schwein und Gigers Alien.

Was natürlich auch in "Feast" nicht fehlen darf, ist das seit einigen Jahren beliebte postmoderne Spiel mit Genre-Konventionen: Zu Beginn werden zu jedem Akteur Informationen eingeblendet, wenn er/sie beim Rundgang der Kamera durch die Kneipe zum ersten Mal ins Bild. Diese zählen augenzwinkernd typische Horror-Klischees für den jeweilige Charaktertyp auf - und werden natürlich in "Feast" entsprechend auf den Kopf gestellt. Durch dieses Stilmittel ist genau dies auch von vorneherein klar, was die Spannung erhöht, denn der Zuschauer weiß ganz genau, dass der süße kleine Junge, der gut in enge Verstecke passt, eben nicht wie in vielen anderen Horrorstreifen bis zum Ende des Films überleben wird. Nur wann und wie er dass dadurch schon festgeschrieben grausame Schicksal erleiden wird, das bleibt bis zum entsprechenden (ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage: sehr frühen) Moment ungewiss.

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