20.03.2006

Fantasy Filmfest Nights 2006: Death Trance - Versus 2

Seltsames Kinowochenende. Erst Samstag "V for Vendetta", der mich im Großen und Ganzen erstaunlich sprachlos zurück lies (leider weder aus Begeisterung noch aus Empörung). Dann Sonntag der Fantasy-Filmfest-Nights-Beitrag "Death Trance". "Death Trance" scheint großteils darauf zu basieren, dass Tak Sakaguchi wie wenige sonst herrlich genervt aus der Wäsche gucken kann. Nur trägt dies nicht unbedingt einen kompletten Kinofilm; dazu gehört mehr. Dabei schien "Death Trance" genügend Voraussetzungen für einen spaßigen Kinoabend mitzubringen: Einen charismatischen Hauptdarsteller mit Martial-Arts-Talent und einem japanischen Schwert über der Schulter, eine Parallelwelt-/Fantasy-Geschichte und ein Team, das mit "Versus" einen Untergrund-Liebling geschaffen hatte.

Selten habe ich einen Film gesehen, der sich so wenig Mühe gab, eine Geschichte zu erählen - und sich so wenig Mühe gab, keine Geschichte zu erzählen.

(Die Nicht-Geschichte: Ein mysteriöser Fremder namens Grave, der in Wirklichkeit eine Art Kampfmessias ist, aber dazu erst erweckt werden muss, stiehlt aus einem Mönchstempel einen Sarg, der angeblich Wünsche erfüllt, tatsächlich aber die seit Jahrzehnten verbannte und weggesperrte Göttin der Zerstörung enthält. Eine Reihe Halsabschneider, fantastischer Figuren und der einzig übrige Sarghüter-Mönch sind daher hinter ihm und seiner Beute her. Geprügel. Geprügel. Sarg wechselt Besitzer. Geprügel. Geprügel. Sarg wechselt Besitzer. Geheimnisvolles kleines Mädchen, das wortlos hinter Grave und Sarg her trottete, entpuppt sich bei Öffnung des Sargs als die Göttin, die wiedererstarkt - Geprügel - Helden tötet und in den Himmel fährt, um dort auf ein neues Angst und Schrecken zu verbreiten, in dem sie Engeln die Flügel abschneidet und auf die Erde wirft.)

Keine Geschichte zu erzählen - zumindest keine nennenswerte - ist sicher nicht per se tabu. Die meisten Filme kompensieren dies durch andere Elemente: absurd-albernen Humor, überbordende Gewalt, traumhafte Surrealität, fantastische Optik, philosophisch-nachdenkliche Verbrämung etc.

Fast alle diese Elemente sind hier zwar vorhanden, wirken aber halbherzig, inkonsequent umgesetzt. Gimmicks, aber keine erinnernswerten. Siehe die Maske der verschiedenen Kontrahenten des unfreiwilligen Helden "Grave": diese wirken immer unnatürlich, eben wie Make-Up in einem Film, aber nicht schlecht genug, um dadurch wieder unterhaltsam-trashig sein zu können. Oder den Krawallfaktor. Bis auf ein paar ansehnliche Capoeira-/Breakdance-Bewegungen einiger Banditen handelt es sich in der Regel um reichlich unspektakuläres Geprügel. OK, einer der wenigen halbwegs gelungenen Gags ist, dass die Hauptfigur 90% des Films rätselhafterweise nur mit dem Schwert in der Scheide kämpft - bis sich herausstellt, dass es sich gar nicht um eine Klinge, sondern eine doppelläufige Flinte in Katana-Form handelt.

Gut - dann geht's jetzt wenigstens mit dem den halben Film semi-lebendig vor sich hin blubbernden mythischen Schwert zur Sache, das nur der Auserwählte ziehen kann. Nope. Kaum darf unser Held es benutzen, wird er - zugegebenermaßen schön gefilmt - von der Götting der Zerstörung, die er unwissentlich befreit hatte, in deren einzigen tatsächlich sichtbaren Action-Moment ratzfatz - trotz poetischer Zeitlupe - getötet. Gut, das war nötig, um seine Transformation zur tödlichen, übermenschlichen Kampfmaschine in Todes-Trance herbeizuführen, die nach seiner Wiederauferstehung fällig ist. Aber kaum, dass er gen Himmel fährt, um Göttinnenhintern zu versohlen... ...kommt der Abspann.

A propos: Dass "Death Trance" mit dem Nebentitel "Versus 2" beworben wird, ist natürlich ein Etikettenschwindel, auch wenn Regisseur Yûji Shimomura für die Action-Regie in "Versus" zuständig und eben Tak Sakaguchi hier wie dort die Hauptrolle spielte. Inhaltlich hat "Death Trance" mit "Versus" nichts zu tun - ausser, dass große Teile der Geschichte in einem geheimnisvollen Wald spielen.

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