13.09.2008

Fantasy Filmfest 2008: The Midnight Meat Train

Ich würde mich nicht direkt als Fan des japanischen Regisseurs Ryuhei Kitamura bezeichnen: Dafür sind seine Filme in der Regel inhaltlich zu unergiebig. Aber wenn sich die Gelegenheit ergib, schaue ich mir seine Arbeiten gerne an. Kitamura hat einen sehr verspielten Stil, mit einer fast ständig in Bewegung befindlichen Kamera, und seit er - nach seinem Debüt "Versus" größere Büdgets zur Verfügung hat, haben seine Filme auch eine ziemlich polierte Optik.

Auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest war er wieder vertreten, diesmal mit seiner ersten US-Produktion, "The Midnight Meat Train" nach einer Kurzgeschichte von Clive Barker.

Die oben erwähnten Charakteristiken treffen auch auf "The Midnight Meat Train" zu, im Guten wie im Schlechten. Es geht um einen jungen amerikanischen Photographen Leon, der kurz vor dem Durchbruch als anerkannter Künstler steht. Als er eines Nachts zufällig ein japanisches Model beim Einsteigen in eine Spät-U-Bahn photographiert, das am nächsten Tag als vermisst in der Zeitung gemeldet wird, und er obendrein kurz darauf den möglichen Mörder (Vinnie Jones als grimmiger stummer Fleischer) zu erkennen glaubt, beginnt er, den Fall immer obsessiver zu untersuchen und den Fleischer zu beobachten.

Dabei entdeckt Leon, dass in bestimmten Nachtzügen immer wieder Menschen zu verschwinden scheinen, wohinter sich - natürlich - ein sehr blutiges Geheimnis verbirgt.

Diese Geschehnisse im "Midnight Meat Train" inszeniert Kitamura gewohnt hochglanzpoliert, so dass sich trotz ihrer blutspritzenden Brutalität kaum Ekel einstellt. Von der Optik und Produktion her ist "The Midnight Meat Train" wieder eindrucksvoll. Dies tröstet aber nicht über die Schwächen der Geschichte hinweg: Eine echte Motivation von Leons Obsession mit dem Fall und auch die schließlichen Handlungen seiner Verlobten und eines gemeinsamen Freunds (die natürlich kein gutes Ende finden) ist eigentlich nicht gegeben: Alles passiert so, wie es passiert, weil es für das Ende der Geschichte notwendig ist, aber nicht, weil es auch den Charakteren herso sein müsste.

Auch die schließliche Auflösung ist nicht nicht so überraschend, wie sie sein will. Verraten werde ich sie hier aber trotzdem nicht ;-)

Kommentare

fand den film top.
für mich war da echt gänsehaut angesagt, obwohl mich schon lange nichts mehr aus der bahn geworfen hat.
hoffentlich erscheint die dvd in österreich... bestellen!!!

Kitamura hätte auf den sensationsheischenden Splatter verzichten sollen und er hätte einen außergewöhnlichen, perfekten und herausragendenThriller auf die Leinwand gebracht. Dazu brauchte es keine geschmacklosen Clive-Barker-Absurditäten. Die Kameraführung incl. Beleuchtung ist mehr als Oscar reif, da übersieht man sogar gerne die feinen Anschlussfehler beim Schnitt.

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