13.08.2007

Fantasy Filmfest 2007 - Sneak Preview: Death Sentence

Zum Abschluss des Fantasy Filmfests in München gab es eine Sneak Preview, also eine Vorstellung eines nicht zuvor benannten Films, die auch eine Art "Testscreening" sein sollte, eine Vorführung einer noch nicht - auch nicht in den USA - gestarteten Produktion als eine Art Testballon, die der Produktionsfirma und dem Verleih Hinweise zur Vermarktung geben soll. Aus den Hinweisen der Fantasy-Filmfest-Veranstalter ließ sich trotz nomineller Geheimhaltung der Überraschungsfilm vorab erschließen: "Death Sentence" von "Saw"-Regisseur James Wan, mit Kevin Bacon als Hauptdarsteller.

"Death Sentence" erzählt eine standardgemäße Rache-Geschichte: Der Sohn des Jedermann-Biedermanns Nichols Hume (Kevin Bacon) wird zum Mordopfer, als er unvermutet in ein Gang-Initiations-Ritual gerät. Zwar kann Hume den Haupttäter demaskieren, und dieser wird von der Polizei festgenommen, aber es stellt sich heraus, dass aus Mangel an Beweisen Humes Wort gegen das des Mörders stehen wird und dieser so wahrscheinlich nur über einen Deal einige Jahre hinter Gitter kommen kann. Dies ist dem verzweifelten Hume nicht genug. Er revidiert vor Gericht seine Aussage, damit der Täter freikommen - und Hume selbst Rache üben kann. Was er auch tut. Dadurch öffnet sich ein Strudel der Gewalt, in den Hume und seine Familie immer weiter hineingezogen werden.

Was "Death Sentence" von anderen Hollywood-Produkten mit ähnlicher Thematik abhebt, ist die zwar stilisierte, aber gleichzeitig "reality-dreckige" Inszenierung mit körnigen Bildern und sehr viel bewegter (Hand-)Kamera, oft in vergleichsweise langen durchgängigen Einstellungen. Dazu kommt, dass Wan à la "Saw" auch nicht vor heftigeren, teilweise sogar splatterigen Gewaltdarstellungen zurückschreckt - definitiv kein Familienfilm und später im Fernsehen sicherlich ordentlich geschnitten.

So weit, so gut. Aber: Wirklich mitreißend ist "Death Sentence" trotzdem nicht, denn er bezieht zu den krassen Gegebenheiten auf dem Bildschirm keine Stellung, nicht einmal die zynisch-ironischer Distanz. Humes Rachefeldzug und die resultierende Gewalt werden weder gut geheißen noch verdammt. Ob man moralisch in Ordnung findet, hängt wohl von der persönlichen Einstellung des jeweiligen Zuschauers ab, manch einer mag es sogar als sich wohltuend von anderen zeigefingerhebenden Epen abhebend empfinden. Durch diese Distanz entsteht aber ein anderes Problem: Warum sollten mich die Geschehnisse auf der Leinwand berühren? Man jubelt weder für Hume, noch bedauert man ihn, noch buht man ihn aus. Was passiert, passiert halt - mehr nicht.

Im Rache-Genre gibt es also deutlich Beiträge, die entweder stilistisch ("Kill Bill") oder - viel besser noch - stilistisch und emotional mitreißender sind, siehe Chan-Woo Park mit "Oldboy" und Co.

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