Fantasy Filmfest 2007: La Antena
Einige der Rezensenten auf der Fantasy-Filmfest-Archiv- und Fan-Seite f3a.net beschwerten sich in ihren Beiträgen zu "La Antena" aus Argentinien darüber, dass der Plot des Films recht dünn sei. Nicht zu unrecht - aber "La Antena" ist einer der eher die Ausnahme bildenden Fälle, in denen das Ergebnis eines Konzeptes es rechtfertigt, dass durch die Grundidee andere Elemente in den Hintergrund gedrängt werden. Man könnte sogar so argumentieren, dass eine verwickeltere Geschichte die Aufmerksamtkeit des Zuschauers von der deutlich im Vordergrund stehenden Optik zu sehr abgelenkt hätte. Wenigstens hat "La Antena" eine Geschichte, keine originelle zwar, aber immerhin, und diese bietet einen natürlichen Aufhänger für den - heutzutage - außergewöhnlichen Stil.
Der böse Herr TV hat nämlich den Menschen in einer Stadt die Stimme geraubt - diese können sich quasi nur noch über Unter- bzw. Zwischentitel unterhalt. "La Antena" ist also (fast, siehe gleich) ein Stummfilm, und passend zur Prämisse sind die Unter-/Zwischentitel in die eigentlichen Handlungsbilder integriert. Es gibt nur noch zwei Wesen in der Stadt, die eine Stimme haben: Eine geheimnisvolle Sängerin ohne Gesicht und deren Sohn, der zwar ein Gesicht, aber keine Augen hat (können diese beiden wegen ihrer anatomischen Andersartigkeit nicht durch Herrn TV manipuliert werden?) Dass der Sohn der Sängerin sprechen kann, weiss kaum jemand - und das ist auch gut so, denn Herr TV plant mithilfe einer bizarren Sendeaparatur und der Sängerin den Menschen nicht nur die Stimme, sondern auch die Worte zu rauben. Was nur durch eine Gegensendung der Stimme des Jungen abgewendet werden kann. Dass dieses passiert, dafür sorgen ein kleines Mädchen, ihr Vater, ein Fernsehmechaniker, und dessen geschiedene Frau, die sich natürlich am Ende des Films auch versöhnen. Äußerer Konflikt aufgelöst, innerere Konflikt aufgelöst.
Inszeniert ist das ganze in stimmungsvollem Schwarz im Stil eines deutschen expressionistischen Stummfilms, mit deutlichen Anleihen bei "Metropolis" und dem "Kabinett des Dr. Caligari", mit vielen surrealen optischen Ideen und einem Stummfilm angemessenen übertrieben-pathetischen Schauspiel, was dem ein oder anderen sauer aufstoßen dürfte, stilistisch aber passt. Dazu kommt ein hervorragender, passend intensiver Soundtrack zwischen Klassik und Tango. Einziger Wermutstropfen war die vollkommen unsubtile filmische Holzhammer-Rhetorik, dass die Kulissen der Sendeapparate der beiden konkurrierenden Transmissionen als Hakenkreuz einerseits (natürlich bei Herrn TV und der von ihm missbrauchten Sängerin) und als Davidstern andererseits (beim Jungen und der Familie) gestaltet wurden. Dadurch gewinnt die Botschaft des Films kaum, aber seine Poetik verliert deutlich.
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