Fantasy Filmfest 2007: Fido
Wenn ich "Fido" las, musste ich bis dato immer an Frank Zappas "Stinkfoot" denken. In Zukunft denke ich möglicherweise eher an Andrew Curries gleichnamigen Film und damit mein erstes persönliches Highlight des Fantasy Filmfests 2007 und ein großartiges Beispiel dafür, welche Möglichkeiten Filmemachern offenstehen bzw. welcher Genuß Zuschauern angeboten werden kann, die keine Berührungsängste haben. Denn eigentlich ist "Fido" ein Zombiefilm, aber wer mit Zombie nur Blut, Eingeweide und Gemetzel verbindet und sich dementsprechend angewidert abwendet, läge speziell im vorliegenden Fall erstens falsch und verpasste zweitens einen Film (fast einen Familienfilm) mit viel Herz.
In "Fido" trifft Romero auf Lassie: Nach einem atomaren Niederschlag erstehen im 50er-Jahre-Amerika des Films Verstorbene als Zombies wieder auf. Nach dem sogenannten "Zombiekrieg" leben die Bürger in eingezäunten, aber idyllischen, bonbonbunten Enklaven - archetypische Verkörperungen von US-Klein- bzw. Vorstädten der 50er und frühen 60er. Und Zombies mittendrin, denn einem Wissenschaftler gelang es, Zombies mit Hilfe einer elektrischen Halskrause zu zähmen. Daraus entstand die Überfirma Zomcon, die nicht nur Dienstzombies verkauft und vermietet, sondern auch für die Sicherheit der Gemeinden zuständig ist. So werden Zombies also für alle niederen McJobs eingesetzt: Als Diener, Milchmänner, Zeitungsjungen und Co. Die Titelfigur ist einer dieser domestizierten Zombies, der seiner Familie mehr ans Herz wächst, als es üblich ist, da die Zombies ansonsten eher als bessere Werkzeuge angesehen werden.
Schon allein die Vorstadt-Idylle hat seit einiger Zeit einen intrinsischen Hauch von Horror bekommen, da hinter solcherart polierten Fassagen und in scheinbar harmlosen Figuren immer ein Ruch von Verdrängung, Unterdrückung und Gleichschaltung bleibt, was Filme wie "Pleasantville" oder "Die Frauen von Stepford" thematisieren. Dieser Subtext wird in "Fido" ergänzt durch die Einbindung des Schrecklichsten ins Normalste - daraus speist sich nicht nur ein großer Teil des teils offen-komischen, teils hintergründigen Witzes des Films, sondern auch das Grauen, des sich in jedem Lacher verbirgt, weil man weiß, dass es in einer solchen Situation nicht zuweit hergeholt wäre, dass Grundschulkinder mit scharfer Munition Kopfschüsse üben, um im Ernstfall zuverlässig einen Zombie erlegen zu können.
Damit treibt "Fido" Ansätze konsequent auf die Spitze, die Romero-Filme wie "Day of the Dead" mit dem trainierten Zombie Bub oder "Land of the Dead" mit seinen Enklavenstädten bereits aufgriffen, nur eben nicht offensiv misanthrop-düster, aber durch die Übertreibung in die andere Richtung nicht weniger eindringlich. Und zwischendrin auch mit einigen kurzen, aber nicht unheftigen Splatter-Elementen, die in diesem speziellen Umfeld umso verstörender wirken.
Dies reichte schon für einen hervorragenden Film, aber endgültig groß wird "Fido" mit den Darstellerleistungen von Carrie-Ann Moss als frustrierte Hausfrau, Tim-Blake Nelson als auf Sittlichkeit pfeifender Kleinmacho mit Zombie-Geliebter und vor allem Billy Connolly als Fido, der trotz der Beschränkung des stummen, unbeholfenen "Daseins" als Zombie nur mit Gestik, minimaler Mimik und ein paar Grunzern im Laufe des Films eine komplette Person entstehen lässt.
Zu schade, dass dieser obendrein mehr als ansehnlich, in einem Tim Burton vergleichbaren Stil, wenn auch nicht ganz so auf die Spitze getrieben, produzierte Film es in Deutschland wohl kaum regulär ins Kinoprogramm schaffen wird. Wenn das Fantasy Filmfest aber in Deiner Nähe Station macht, kann ich einen Besuch von "Fido" nur wärmstens empfehlen.
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