21.07.2006

Fantasy Filmfest 2006: Shadowless Sword

Der Mittwochabend auf dem Fantasy Filmfest war fast so etwas wie ein Treffen mit alten Bekannten, die man lange nicht gesehen hat. Schließlich trifft man sie wieder und fragt sich ersteinmal: Ist er's bzw. sie's oder nicht? Die Darstellerin der weiblichen Hauptfigur in dem koreanischen Kampfkunst-Epos "Shadowless Sword" kam mir jedenfalls verdammt bekannt vor, und meine Vermutung wurde durch eine kurze Internet-Recherche am Tag danach bestätigt: So-yi Yoon spielte bereits in der herrlichen Martial-Arts-Comedy "Arahan" (Fantasy Filmfest 2004) den Part der Heldin (mehr zu alten Bekannten dann im kommenden Eintrag zu meinem zweiten Film des Abends, "Meatball Machine").

À propos Heldin: Starke Frauenfiguren - im Sinne von: können auch Männern nötigenfalls ohne in Schweiß auszubrechen gepflegt den Hintern versohlen - scheinen mir im koreanischen und Hong-Kong-Kino verhältnismäßig öfter vorzukommen als in westlichen Produktionen. In "Shadowless Sword" gab es gleich zwei größere (und mehrere kleinere) derartige weibliche Rollen. Auf männlicher Seite hingegen, gerade unter den Bösewichten und zwielichtigen Figuren, gab es etliche feminine Gestalten, die jeweils mit gestriegelten Spitzbärten sowie viel Puder, Lidschatten und Mascara und exaltiertem Benehmen wie koreanische Varianten von Johnny Depps Cpt. Jack Sparrow wirkten. Vollends scheint die typischen Verteilung der Geschlechterrollen dennoch nicht überwunden, denn beide weibliche Hauptfiguren opfern sich am Ende für ihren jeweils männlichen Befehlshaber und Bewunderten auf, die schließlich die Entscheidung unter sich ausmachen.

"Shadowless Sword" spielt im 10. Jahrhundert. Ein Königreich wurde von einem anderen überrannt und die Besetzer ermorden nach und nach die den Widerstand leitenden ehemalige Herrscherfamilie, um diesen zu brechen. Schließlich müssen die Verteidiger einen vor Jahren ins Exil geschickten Prinz zurückbringen, der der letzte Thronfolger ist. Dies übernimmt die oben erwähnte Kämpferin. Dieser Prinz, der inzwischen sein Dasein als Hehler mit Sitz in einem Freudenhaus fristet, ist gar nicht davon angetan, sich wahrscheinlich ebenfalls abmetzeln lassen zu müssen, lernt aber auf der Reise in seine Heimat - natürlich - nicht nur seine Begleiterin respektieren und schätzen, sondern auch, die Verantwortung für sein Volk zu übernehmen.

Natürlich bekommen die Besatzer mit, dass das letzte Mitglied des feindlichen Königshauses ins Land gebracht werden soll und schicken die aus Kollobarateuren bestehende "tödliche Klingen-Armee" los, dies zu verhindern. Dies ergibt natürlich massig Gelegenheit für routiniert inszenierte Swordplay-Kampfszenen, die in dem inzwischen auch im Westen durch "Tiger & Dragon" bekannt gemachten Stil inszeniert sind: Viel Wire-Work, Flugeinlagen, schwebende Verfolgungsjagden über Dächer etc. Dabei werden aber auch einige originellere Elemente eingeführt, wie eine ausgedehnte Unterwasser-Szene. Dieser wenig realistische Stil trifft nicht bei allen westlichen Zuschauern auf Gegenliebe. Man muss aber im Auge behalten, dass diese Wire fu-Stilistik viel damit zu tun hat, dass im Osten Kampfkunst nicht nur als körperliche Fähigkeiten angesehen wird, sondern diese unglaublichen Leistungen visueller Ausdruck dessen sind, dass wahre Kampfkunstmeister vor allem geistig-seelische Kräfte besitzen, also ein starkes Chi, und dieses zu regulieren und kanalisieren wissen. Folgerichtig spielt sich auch der abschließende Entscheidungskampf auf der Leinwand in komplett verfremdeten Bildern ab, die wohl die geistige Ebene symbolisieren.

Oben ist das Ganze mit einem Schuss Humor gewürzt, etwa durch die oben bereits erwähnten tuntigen Bösewichte in der Exilstadt, der dem Film als auflockerndes Elemente gut tut. Insbesondere, da es auch einige etwas langatmige und teilweise pathetische Passagen gibt, ohne dass dabei allerdings - bei weitem - das stellenweise Schmachtniveau von Filmen wie "Legend of the Evil Lake" oder "The House of Flying Daggers" erreicht wird).

Also, alles in allem ein netter epischer Martial-Arts-Film, der Freunden des Genres einen unterhaltsamen Abend bescheren, aber keinen Skeptiker bekehren dürfte.

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