Fantasy Filmfest 2006: Severance
Eigentlich ist es schon ein wenig seltsam, dass ein solcher, eher weniger profilierter und profilierender Horror-Splatter-Comedy-Streifen als Eröffnungsfilm des 20. Fantasy Filmfests ausgewählt wurde. Oder vielleicht auch nicht, schließlich geht es auch dem Festival vorwiegend um seltsame Filme. Dass es hauptsächlich um Filme geht und nicht um Brimborium, machten auch die herzlichen, aber dankenswerterweise sehr kurzen Ansprachen sowohl der Veranstalter als auch der anwesenden Filmemachter (Regisseur und Produzent) von "Severance" am Eröffnungsabend klar. Zu diesem zwanglosen Ambiente passte dann auch der Film selbst.
Im Programmheft wurde als möglicher Referenzpunkt "Shaun of the Dead" angegeben. Dies passt insofern, als dass in "Severance" ähnlich respektlos Splatter-Horror (wenn auch hier nicht aus der Zombie-, sondern aus der Slasher-Ecke) und Humor gemischt wurden. Inhaltlich liegt eher "Hostel" nahe:
Eine Gruppe von Angestellten eines englischen Rüstungskonzerns ist unterwegs zu einem "Team-Building"-Wochenende in der neuen Firmen-Lodge mitten in der ungarischen Pampa. Als die abgelegene Waldstraße blockiert ist, weigert sich ihr einheimischer Busfahrer (ein in Horrorfilmen immer und immer wiederkehrendes Motiv: lokalisiertes Insiderwissen, das von den fremden Besuchern ignoriert wird, da eben nicht lokalisierte, allgemeine Erfahrungen keinen Anlass zur Vorsicht bieten), sie über eine Nebenroute ans Ziel zu bringen. Also geht es zu Fuss weiter, bis die Gruppe die vermeintliche Lodge erreicht, ein halbverfallenes, scheinbar verlassenes Gebäude. Dass aber die Wälder ringsum nicht verlassen (und damit nicht nur Bären gemeint sind), ist klar, sonst langweiliger Film.
Zu Beginn dominieren die Comedy-Effekte. Regisseur Christopher Smith melkt kräftig die unterschiedlichen Charaktere der Ausflügler, ohne dabei auf düstere Vorahnungsmomente zu verzichten. Wenn schließlich der Splatter-Spass beginnt (von Bärenfallen abgehackte Beine, Flammenwerfe, Messer im Anus etc.), wird auch dieser mit jeder Menge absurder Situationskomik präsentiert, aber auch mit den horrortypischen und durchaus routiniert dargebotenen Schockeffekten (auch, wenn der Soundtrack dabei manchmal etwas arg audringlich geriet). Schön auch die Einführung der Auflösung der Situation (wer metzelt wen warum) durch vermeintlich wahre Gruselgeschichten vorbereitet wird, die sich die Protagonisten selbst erzählen, was auch Anlaß zu auflockernden, stilbrechenden filmischen Ausflügen ergibt, also nicht nur vermeintlich wahr. Und dass die erste scheinbare Auflösung nicht die endgültige ist.
Jedenfalls war der Film unterhaltsam und kurzweilig, auch durchaus zünftig, wenn auch nicht sonderlich blutiger und ekelhafter Splatter. Ob's ein guter Eröffnungsfilm war, weiß ich nicht, aber ein guter Film war's allemal.
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