24.07.2006

Fantasy Filmfest 2006: Meatball Machine

Wie angekündigt gab's am Mittwoch im Rahmen der passend betitelten "Midnight Madness"-Reihe des Fantasy Filmfests ein weiteres Wiedersehen, sozusagen, mit alten Bekannten. "Meatball Machine"-Co-Regisseur Yudai Yamaguchi war nämlich als Co-Drehbuchautor bzw. als Regisseur an den beiden Japan-Trash-Klassikern "Versus" und "Battlefield Baseball" beteiligt. Damit - und natürlich dem Titel... - deutet sich schon an, dass von "Meatball Machine" keine Arthouse-Kost zu erwarten sein würde.

Oder doch?

Denn mit gar nicht mal so ungutem Grund könnte man auch sagen, dass die überdrehte, blutig-schleimige, brutale, bizarre, absurde Splatter-Liebesgeschichte, der Ultra-Low-Budget-SciFi-Horror-Trash von "Meatball Machine" auf übergeordneter Ebene einen beißenden (im wahrsten Sinne des Worte...) Kommentar zu - nicht nur - japanischen Gesellschaftsverhältnissen darstellt.

Der verschüchterte, einzelgängerische Arbeiter Yoji ist seit längerer Zeit in das Mädchen Sachiko von der Fabrik gegenüber verliebt und tauscht mit ihr sehnsüchtige, flüchtige Blicke über den Zaun aus. Ausgerechnet als die beiden sich in Yojis Wohnung zum ersten Mal näher kommen, nachdem er sie vor Belästigungen durch seinen Chef in Schutz genommen hat, erwacht ein Alienwesen, das Yoji kurz zuvor auf der Straße gefunden und neugierig mit nach Hause genommen hatte, aus seinem Koma und befällt Sachiko.

Dadurch wird sie von dem Alien in eine Art kybernetischer "Necroborg" verwandelt, ein Hybrid-Wesen aus ihrem menschlichem Körper und maschinen- und eingeweideartigen Anhängseln, und von dem körperlich winzigen Außerirdischen, der in seiner schützenden Hülle an ihr hängt und sich in ihr Nervensystem eingeklinkt hat, ferngesteuert. Tatsächlich treiben inzwischen dutzende solcherart Befallener in Japan ihr Unwesen und zerfleischen sich gegenseitig, denn um überleben zu können müssen sich die Alien über ihre Wirtskörper bei lebendigem Leib gegenseitig auffressen. (Achtung, SPOILER bis zum Klammerende: Die seltsame Logik dieser Überlebenstaktik wird zumindest teilweise am Ende des Films aufgehoben, als herauskommt, dass es sich dabei eigentlich um eine Art Action-Spiel der Außerirdischen Rasse handelt...) Natürlich wird auch Yoji schließlich infiziert, weiss sich aber zu wehren und versucht natürlich, seine inzwischen schwer gewaltätige Beinahe-Geliebte ebenfalls zu erretten.

Sozialsatire? Wo? Nun, die Entmenschlichung und Entfremdung, die Yoji und Sachiko durch ihre Arbeit, die Gewalt grobschlächtiger und böswilliger Kollegen und familiären Mißbrauch durchleiden, wird versinnbildlicht durch die aufgepfropften Aliens, die im Übrigen bevorzugt Menschen mit starken negativen Gefühlen befallen, die den Menschen seiner Freiheit und Mündigkeit berauben und ihn quasi fernsteuern, und deren oberstes Ziel scheint, den jeweils anderen zu vernichten. Durch die quasi-machinellen Necroborg-Anhängsel wird expliziert, wie sehr der Einzelne in der Arbeitswelt ein Teil der Maschinen ist, die er bedient - oder die ihn bedienen?

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