Fantasy Filmfest 2004: Von der Legende vom bösen See zum Denkmal zu den Massen
Morgen läuft schon der letzte Tag des FantasyFilmFests in München. Das Festival hat seine erste Station traditionell in München und zieht dann weiter durch verschiedene deutsche Städte, wo es jeweils etwa eine Woche verweilt. In der Natur des Festivals liegt, daß die ersten Vorführungen schon morgens stattfinden und den ganzen Tag über Filme gezeigt werden, was natürlich für die Masse der berufstätigen Filmfreunde - darunter ich - in der Regel kein guter Zeitpunkt ist. Umso erstaunter war ich, als es letzte Woche noch problemlos Karten für zwei Filme zur besten Abendzeit (19:30) in dieser Woche gab: gestern "The Legend Of Evil Lake", morgen "Arahan".
In der Tat war das Kino bei "The Legend Of The Evil Lake", einem Fantasy-Spektakel aus Südkorea mit Liebesfilm-, Martial Arts- und Splatter-Einsprengseln (letztere solche im wahrsten Sinne des Wortes...) nur zu gut zwei Dritteln gefüllt. Gibt es in München denn etwa keine Geeks? Allerdings gilt: ein echtes FantasyFilmFest ist das gleichnamige wohl schon seit längerer Zeit nicht mehr, zumindest wenn man nicht eine sehr liberale Auslegung von "Fantasy" benutzt: (Psycho-)Thriller und Horror (auch ohne fantastische Elemente) werden genauso gefeatured wie Monsterstories, Science Fiction und klassische Fantasy.
"The Legend Of The Evil Lake" ist eine seltsame Mischung von Motiven aus Artus-Sage, Romeo & Julia, 1001 Nacht und anderem, wovon ich auch keine Ahnung habe...
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Böser Geist wird von legendärem Herrscher in grauer Vorzeit mit Hilfe eines in den Boden gestossenen magischen Schwertes verbannt, an der Stelle des Triumphes entsteht der titelgebende See. In späteren Zeiten verliebt sich ein blutjunger tapferer Schönling und General namens Biharang in die ebenfalls blutjunge und attraktive Jaunbi, die designierte Nachfolgerin des Hüters des Sees. Die momentane Königin ist ihrerseits in den General verliebt. Der "Grosswesir" des Reiches plant Verrat. Die von Häschern verfolgte Generalsgeliebte Jaunbi zerrt das Schwert aus dem Boden, böser Geist ergreift von ihr Besitz und geht auf Rachefeldzug, General Biharang muss Geliebte töten, um Geist zu exorzieren, tut dies natürlich in genau dem Moment, in dem der Besetzer die Besessene eh verläßt, allgemeiner Wahnsinn und traurig-pathetisches Ende ergibt sich. "Jaunbi?" "Jaunbi!" "Jaunbi?!"
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Insgesamt empfand ich den Film als "OK", einer dieser Filme, die einen unterhaltsamen, zumindest nicht langweiligen Abend ergeben, aber keine weiteren seelischen Spuren beim Zuschauer hinterlassen, wie es sowohl die grossen als auch die abartig schlechten Filme tun. Es gab einige schöne Bilder und ein paar nette Kampfszenen. Die Story ist nicht wirklich originell, die Darsteller waren nicht sonderlich gut - wenn auch nicht schlecht -, Kampfszenen und Effekte waren solide, aber nicht herausragend, die sparsam eingesetzten Blutwurst-Passagen weder sonderlich eklig, noch mehr als nötig unfreiwillig komisch.
Tatsächlich unfreiwillig komisch waren hingegen einige der sogenannten Dialoge. Zwischendrin schienen General Biharang ebenso wie Drehbuchautor etwas an Einfallslosigkeit zu leiden: eine wiederholte minutenlange Folge von "Jaunbi?" "Jaunbi!" "Jaunbi?!" "Jaunbi!?" Ausrufen wurde vom Publikum schliesslich mit Gelächter bedacht. Ausserdem etwas störend fand ich den übermäßig pompösen Soundtrack. Ich bin ja nun wahrlich ein Freund von überbordendem Bombast, aber auch ich kann nur ein gewisses Mass an "hunderköpfiger Chor duelliert sich mit hundertköpfigem Orchester"-Passagen vertragen. Manchmal ist mehr mehr. Manchmal nicht.
Krach im Kult
Vom Kult Kino gings zum Kafe Kult. Nachdem der Film im Gegensatz zu unserem jugendlichen Überschwang recht zeitig zu Ende war, fuhren wir nach kurzer vergeblicher Kneipensuche auf der Sonnenstraße (vielleicht waren wir dabei wegen des Dauerregens auch ein wenig zu ungeduldig) zum Kafe Kult im Bürgerpark Unterföhring. Irgendwie hatte ich noch düster in Erinnerung, daß dort eine Band spielen sollte, deren Beschreibung im Kult-Newsletter ziemlich interesant klang; die Stichworte "Postrock" und "Don Caballero" (ne Mathrock-Band; laßt Euch von Onkel Ralf J. erklären, was das ist) waren jedenfalls gefallen.
Das Kult ist ein wirklich kultige Klitsche, in der hauptsächlich Hardcore-Bands zu Ehren kommen, immer wieder aber auch ausgefallene andere Konzerte stattfinden (etwa Cul De Sac mit Damo Suzuki oder das tschechisch-amerikanische Bass-Drums-Duo Sabot). Der Eintritt ist geradezu unverschämt billig (gestern für zwei Bands satte 6 Euro), die Getränke ebenfalls, die Atmosphäre im kleinen, eigentlich Cafe-Raum, in dem auch die meisten Konzerte stattfinden, ist schnucklig, das Publikum jung und alternativ, in der Tat so jung und alternativ, mann, daß ich mir jedesmal schrecklich alt und spiessig vorkomme. Aber solange die Musik stimmt, kann ich das wohl in Kauf nehmen.
Als wir ankamen, spielte die Vorgruppe schon, eine Band aus Augsburg, deren Namen ich nicht mitbekommen habe, und die mir - soweit ich mich mit diesen Genre-Bezeichnern auskenne: fast gar nicht - sowas wie Emo-Core zu machen schienen. OK war's. Net prickelnd, aber OK. Schliesslich begannen "From Monument To Masses", und die Beschreibung im Newsletter kam tatsächlich einigermassen hin. Manche elegische Passagen und gedämpft-langsamer Stückeaufbau sowie die eingespielten Sprach- und Rhythmussamples waren deutlich postrockig, während der ein oder andere vertrackte Rhythmus sowie vor allem die verschränkten Gitarrenpassagen (die der einzelne Gitarrist mit Hilfe einer digitalen Echoeinheit - Fripp, ick hör Dir trapsen! - erzeugte) erinnerten gelegentlich sogar an King Crimson. Schön war's, so schän, dass ich mir die zweite CD der Combo sogar vor Ort für günstige 12,- Euro zulegte. Diese wird übrigens ausnahmsweise dem Live-Erlebnis gerecht, was nicht immer der Fall ist, wenn ich mir von einer Live-Erinnerung euphorisiert einen Tonträger besorge.
Heute habe ich übrigens gelesen, daß ein Mitglied von "From Monument To Masses" auch bei den Death-Jazz-Metal-Neurotikern von "The Mass" mitmischt. Schade, daß ich das nicht vorher wußte, denn ansonsten hätte ich vielleicht eher die Gelegenheit genutzt, zu versuchen mit der Band nach dem Konzert ins Gespräch zu kommen, was in der familiären Atmosphäre im Kafe Kult kein Problem wäre. Das Konzert selbst war jedenfalls unterhaltsam und einigermassen mitreissend, aber auch ungewöhnlich kurz. Vielleicht kam's mir nur so vor, aber war das nicht sogar weniger als eine Stunde? Naja, bei dem Eintritt und mit Vorband kann und will ich mich darüber nicht beschwerden, Ins Kult gehe ich jedenfalls immer wieder gerne.
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