12.07.2006

Extremtrommeln

Jetzt hab ich's schon wieder getan - mir eine Schlagzeuger-DVD besorgt. Aber kein Wunder, nachdem ich zu Marco Minnemann dermaßen gesabbelt hatte (der übrigens an jenem Abend zu einer Bekannten meinte, er habe schon bessere Tage gehabt). Es macht halt einfach Spaß, Minnemann zuzuschauen, und das kann man auf dessen "Extreme Drumming"-DVD reichlich. Dankenswerterweise gibt es auch die DVD-Option, nur das musikalische Programm ablaufen zu lassen, d.h. ohne die speziell auf Schlagzeugtechnik bezogenen Erklärungen und Demonstrationen zwischendrein. Denn selbst so ist das Video noch reichlich lang.

Aber nicht, dass es nötig wäre. Denn auch die Erklärungsteile sind interessant, weil Minnemann dort die Patterns, die er in den vorhergehenden Stücken spielt, in ihre Bestandteile zerlegt, was dem musiktheoretisch zumindest leicht interessierten Fan zum einen direkten Einblick in deren Komplexität erlaubt (vor allem, da viele davon polymetrisch angelegt sind, d.h. das z.B. linke Hand und die Füße in zwei verschiedenen Metren, etwa 3/8 und 5/8 gleichzeitig spielen, während Minnemann mit der rechten Hand darüber soliert), zum anderen auch brauchbare Tipps für nicht-schlagzeugende Musiker enthält, was etwa die Übungspraxis angeht.

Aber auch ohne diese Video-Teile kann man die DVD einfach als Album genießen. Der eine Teil der Stücke zeigt Minnemann, wie mit dem Live-Schlagzeug zu eingespielten Backing-Tracks von verschiedenen seiner Solo-Alben spielt. Diese Nummern sind stellenweise abartig komplex (nicht nur rhythmisch) und sollten jedem Fann von z.B. Zappas kompliziertesten Nummern zusagen können. Der andere Teil sind komplett live gespielte Stücke in Trio-Besetzung mit Basser Wolfgang Schmid und Pianist Steve Hamilton (von Bill Bruford's Earthworks).

Ebenso witzig wie interessant sind aber auch Minnemanns "Music to speech"-Experimente, die man hier live verfolgen kann. D.h. Minnemann läßt aus einem Sampler einen geloopten Sprachenfetzen abspielen und nimmt den Rhythmus der Sprachmelodie als Grundlage für eine Schlagzeugbegleitung dazu ("It's in 9/16, actually"). Beispiele diese Herangehensweise, dann auf komplette Dialogen basierende längere Stücke, finden sich auch auf seinen Soloalben, etwa "Kondome" (fragt nicht...) auf "Comfortably Homeless" oder "What have the romans ever done for us" (eine Vertonung des entsprechenden Dialogs aus Monthy Pythons "Life of Brian") auf "Contraire De La Chanson". Auch dies erinnert wiederum an Zappa, der den Aufbau seiner Gitarrensoli oft mit der natürlichen Sprachrhythmik verglich und mit Nummern wie "Dangerous Kitchen" und dem dortigen typischen Meltdown-Gesang auch ganz explizite solche Experimente in seinem Katalog hat.

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