Exoten-TV (Teil 5)
Ich liebe Kochsendungen! Erst recht, seit "Kochsendung" nicht mehr heisst, Johann Lafer unter den Worten "...jetzt noch ein kleines bisschen Fett..." dabei zusehen zu müssen, wie er gut 125g Butterschmalz in die Pfanne pfeffert. Ungeschlagen ist im Bereich Kalorien-TV nach wie vor das Kochduell: zwei Köche, zwei Löffel, zwei Schürzen, zwei Menüs, ohne doppelten Boden, in absoluter Zeitnot und mit Basisausstattung. Nur dass das Kochduell sich inzwischen vom täglich Brot zur Wochenendkost verwandelt, da nach tausenden Sendungen wohl doch die Luft etwas aus dem Soufflé raus war.
Statt des früher allgegenwärtigen Lafer und seiner Butterschmalzorgien, gibt sich das Kochfernsehen in letzter Zeit betont jugendlich. Wahrscheinlich, weil die werberelevante Zielgruppe erreicht werden will. Das grosse Vorbild aller Coolness-Kochkünstler ist natürlich der eigen Kleinjungen-Charme versprühenden wollende Engländer Jamie Oliver ("Oliver's Twist", "The Nacked Chef", "Jamie's Kitchen", RTL2), dessen Essenskreationen in der Regel genauso verstrubbelt aussehen wie seine Frisur: riesige Portionen auf riesigen Platten angerichtet, werden sie in riesigen Küchen unter riesigem Abwasch und mithilfe riesiger Mengen Olivenöls für ein riesiges Publikum produziert.
Kaum hat ein Format im Ausland Erfolg (ich erinnere mich düster schon vor ewigen Zeit Jamie Oliver als Geist bei Jay Leno gesehen zu haben, als Johann Lafer die deutsche Fernsehküchenlandschaft noch fest im Griff hatte), fällt das natürlich auch drei Jahre später den deutschen Sendern auf. Sogar VIVA versuchte mit Tobi Schlegl auf den Kochzug aufzuspringen und schuf mit "Das jüngste Gericht" das Popcorn-Pendant zu "Alfredissimo": penetranter Gastgeber quält prominente Gäste.
In der Reihenfolge der Senderbelegung meiner Fernbedienung hier die drei auffälligsten deutschen Naked Chef-Epigonen:
Pro7 schickt Ralf Zacherl in den Feldsalat: "Zacherl - Einfach kochen!". Abgesehen von Ohrring und keckem blondgefärbten Spitzkinnbart, was ihm optisch einen Hauch von Piratenlook verleiht, wirkt Zacherl, ebenso die gesamte Sendung, ziemlich zahm und wenig schwungvoll, was allerdings nichts über seine Kochkünste aussagt. Immerhin ist er Michelin-Stern-dekoriert.
"Easy kochen - mit René Steinbach" (RTL2) deutet schon durch den anglisierenden Titel an, dass hier am stärksten versucht wird, Jamie Oliver nachzueifern, und das, obwohl RTL2 doch schon das Original sendet. Verwackelte Handkamera, burschikoses Herumwerfen von Zutaten und Kochen in der heimischen Küche für wechselnde Gäste, die ganz zufällig genau dann zu Besuch kommen, wenn das Fernsehteam da ist. Ebenfalls schaut mir der auf rene-steinbach.de zu bestaunende René Steinbach verdächtig dunkelhaariger, weniger spitzfrisurigzulaufender und dementsprechender älter und erwachsener aus als der blonde, keck frisierte rtl2.de-René Steinbach.
Der letzte in der Dreierbande deutscher Jamies ist Tim Mälzer mit "Schmeckt nicht gibt's nicht" auf "Vox", der den täglichen Sendeplatz des Kochduells übernommen hat und dort unter nicht ganz so starkem Zeitdruck ähnlich schnelle und unkomplizierte Gerichte vorstellt. Seine Rezepte basieren oft auf gutbürgerlichen Grundlagen, die durch eine mehr oder weniger peppige Abwandlung etwas hipper gestaltet werden. Etwas seltsam ist nur das Verhältnis zur Produktionsassistentin (Nina?), die ausser, um Fragen zu stellen und den Tisch zu decken, lediglich als Zielscheibe für gelegentliche misogyne Kommentare Mälzers da zu sein scheint.
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Kommentare
hallo, hab gerade zufällig den artikel über die fersehköche gelesen und musste bei dem abschnitt über rene steinbach - ab und zu arbeiten wir zusammen - schmunzeln :o)
das haben menschen ja von natur aus so an sich, dass sie - normalerweise - mit dem alter erwachsener werden und oft wechseln sie dann auch ab und zu mal die frisur, oder? genau das ist in diesem fall passiert - das beste dabei fällt dabei leider unter den tisch: seine fähigkeiten als koch werden auch immer (noch) besser. hmmmm, lecker!
lg, gabi
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