22.09.2004

Exoten-TV (Teil 2)

Manchmal gibt es so Abende, in denen bin ich zu wach zum Einschlafen und zu müde, um irgendetwas Produktives zu machen. Dann bleibt nur eins: vor den Fernseher und wild durch's in der Regel vollkommen unerträgliche Nachtprogramm zappen. Aber gottseidank wartet am Ende des Tunnels auf BR Alpha ein Licht namens "The Joy of Painting".

Egal wie aufgekratzt ich bin, Bob Ross schafft es mit Ruhe und Bedächtigkeit jedesmal, mir die Augenlider zufallen zu lassen. Das meine ich nicht hämisch! Ich liebe "The Joy of Painting" beileibe nicht nur als Einschlafhilfe. Es ist fasznierend, wie Ross in gerade mal einer halben Stunde ein komplettes Gemälde runterzockt. Dies sind zwar so gut wie immer ähnlich aussehende, kitschige Landschaftsszenen, wie ich sie mir nie ins Wohnzimmer hängen würde, trotzdem ist es spannend mitzuerleben, wie man mit der richtigen Ausrüstung sowie etwas Knowhow und Geschick mit einfachsten Mitteln eindrucksvoll realistische - zumindest auf meinem Winzfernsehschirm - Berglandschaften und Meerblicke erstellen kann.

Keine "Joy of Painting"-Folge kommt ohne gewisse, längst liebgewonnene Rituale aus. Das regelmäßige Befreien der Pinsel von überflüssiger Farbe durch flottes Schlagen gegen das Stativ wird fast immer mit den von einem entschuldigenden Grinsen begleiteten Worten "Let's beat the devil out of it" oder "my favorite thing when painting" oder ähnlich kommentiert.

Oder die unvermeidliche Ankündigung: "Tell you what, let's get crazy!" Nur statt - wie man erwarten könnte - die Farbe anschliessend mit beiden Händen zu packen und schreiend in Pollock-Manier gegen die Leinwand zu werfen, bedeutet durchdrehen für Bob Ross, einen ungeplanten Baum in die Perspektive zu stellen, meist einen Nadelbaum, da man mit dem Rundumwaffen-"2 inch brush" "happy" Tannen oder Ähnliches problemlos hintupfen kann. "It's your world. You decide!"

Bäume sind sowieso wichtig. Fast jedes von Ross' Gemälden endet damit, dass an den rechten und linken Rand jeweils ein hochgewachsener Baum gepackt wird, der dem dadurch in den Hintergrund tretenden Rest des Gemäldes die Illusion von Tiefe verleiht.

Jedem mit Einschlafstörungen sowie allen, die einen "super-easy way to paint waves|clouds|trees|rock" zu schätzen wissen, sei "The Joy of Painting" wärmenstens empfohlen, täglich gegen 1:00 auf BR alpha.

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