Exoten-TV (Teil 13: Doctor Who)
Meine bisherigen Erfahrungen mit dem britischen Fernseh-Kult "Doctor Who" beschränkten sich auf verschwommene Erinnerungen daran, vor Jahrzehnten einmal im Nachmittagsprogramm des damals noch jungen Privatfernsehens an einer ziemlich billig wirkenden Science-Fiction-Serie mit einem zugegebenermaßen charismatischen Hauptdarsteller vorbeigezappt zu sein (es muss sich dabei um die Folgen mit dem siebten Doktor gehandelt haben, die Ende der 80er kurze Zeit von RTL gesendet wurden). Nachdem damals meine Faszination für "müllige" Science Fiction (noch) nicht gerade ausgeprägt war, blieb es bei dieser einen kurzen und folgenlosen Begegnung. Natürlich musste sich dies ändern.
Kleines Problem nur: "Doctor Who" befindet sich zur Zeit in der 28. Staffel. Es gab bisher also mehr als 600 meist knapp halbstündige Episoden, die ca. 150 Geschichten erzählen. Selbst wenn man die leider zahlreichen verschollenen Folgen wegrechnet (in den 70er Jahren rechnete bei der BBC wohl niemand damit, dass mit altem Kram irgendwann gutes Geld zu verdienen sein würde, und so wurde relativ hemmungslos Archivplatz frei gemacht) und bedenkt, dass auch vom Rest noch lange nicht alles auf DVD erhältlich ist, bleibt ein erschlagendes Angebot an Doctor-Who-Videos übrig. Dies macht es nicht gerade einfach, einen sinnvollen Einstieg zu finden, wenn es einen solchen denn überhaupt gibt.
So stand auch ich in einem HMV irgendwo in London hilflos vor dem Doctor-Who-Regal. Ich hielt mich schließlich - mit irgendetwas muss man anfangen - an einem signalfarbenen Aufkleber fest, der verkündete: "Doctor Who No. 1 story EVER as voted by Doctor Who magazine readers". Dieser pappte auf der Doppel-DVD "Genesis of the Daleks" mit einer Sechs-Episoden-Geschichte aus dem Jahr 1975 auf der ersten sowie ausführlichem Bonus-Material auf der zweiten DVD.
Mangels Vergleichsmöglichkeit kann ich den versprochenen Superlativ nicht kommentieren. Aber gut unterhalten haben mich die 144 Minuten "Doctor Who". In vielem erinnern die Folgen an die altertümlichen Science-Fiction-"Serials" der 30er und 40er Jahre: Das minimale Budget mit vielen wiederkehrenden Schauplätzen, der archetypische Konflikt zwischen den in eine fremde Umgebung gestoßenen Neulingen und einem Überbösewicht und seinen Häschern, mit dessen Feinden sie sich verbünden, und vor allem die häufigen Cliffhanger am Episoden-Ende, bei denen einer der Gefährten in scheinbar aussichtsloser Situation zurückgelassen wird - nur um zu Beginn der nächsten Folge "überraschend" gerettet zu werden.
Inhaltlich war "Genesis of the Daleks" allerdings weitaus ernster und düsterer angelegt. Die anderorts erwähnte Obsession der Briten mit dem Zweiten Weltkrieg hat auch hier ihre Spuren hinterlassen: Allzu deutlichen gemahnen die Uniformen der "Kaled"-Militärs und -Polizei an das Dritte Reich, wie auch die Macht-, Überlebens- und Rassenwahn-Ideologie von Bösewicht Davros. Dessen Programm zur Züchtung einer allen anderen Kreaturen überlegenen Rasse von kämpferischen Mensch-Maschine-Hybriden (die "Daleks"), denen durch Gen-Manipulation Gewissen und Wissen um Gut und Böse ausgetrieben wurde, die aber mit tödlichen Strahlenwaffen ausgestattet sind, seine hemmungslosen Pläne zur Erlangung nicht nur eines totalen Endsieges im lange währenden Krieg mit den verfeindeten Thals, sondern auch der nachfolgenden Eroberung des kompletten Kosmos spiegeln den nazistischen Größenwahn, und Davros' schließlicher Verrat des eigenen Volkes mit katastrophalen Konsequenzen erinnert an Hitlers Politik der verbrannten Erde.
Gleichzeitig wird gezeigt, wie sich die Gesellschaft, insbesondere die Wissenschaftler und Intellektuellen, von den anfangs harmlos wirkenden, scheinbar auf echten Fortschritt und die reine Überlebensfähigkeit der Kaleds zielenden Entwicklungen unter Davros' Leitung verführen und Schritt für Schritt immer tiefer in unethische, skrupellose Machenschaften verstricken ließ. Schließlich sind Umdenken und Umkehr kaum noch, höchstens unter großen Opfern möglich.
Und dies alles unter Mitwirkung von Riesen-Auster-Monstern, Raketen, "Time-Lords" und mutierten Quasimodo-Wiedergängern. So soll's sein.
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Kommentare
Ich habe bisher nur die Folgen mit dem ersten neuen Doktor gesehen (langsam wird die Zuordnung kompliziert), bin von diesen aber restlos begeistert. Schade, dass der Schauspieler fuer keine zweite Season zur Verfuegung stand.
Ich glaube, einer der Gruende, warum sich Davies fuer Ecclestone als den ersten neuen Doctor entschieden hat, ist, dass er schon in "The Second Coming" mit ihm zusammengearbeitet hat - letzterer TV-2-Teiler ist uebrigens absolutes Pflichtprogramm.
Yepp, und die beiden Doktoren unter Davies waren auch brilliant, hat aber nicht mehr den trashigen charme der anderen 26 Staffeln.
Mit Doctor Who wollte ich mich auch mal beschaeftigen - schliesslich wird die Serie seit 2005 von meinem Lieblings-TV-Autor Russel T. Davies produziert.
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