03.07.2006

Exoten-TV (Teil 12: Blade, die Serie)

Die Monate Juni bis August sind für den passionierten Stubenhocker eine triste Zeit: Im amerikanischen Fernsehen ist Sommerpause. Es heisst daher, auf die nächsten neuen Folgen der verfolgten Serien muss mindestens bis September gewartet werden. Da greift man gerne zum nächstbesten Strohhalm: Obwohl ich die vorlagebereitstellende Film-Trilogie nicht überzeugend fand, war ich dennoch gespannt auf den Fernsehserien-Ableger der Geschichte rund um den "Daywalker" (halb Vampir, halb Mensch) Blade, die dieser Tage als Sommerprogramm auf dem Ami-Sender Spike TV (wer so heisst, sollte eigentlich wissen, wie eine ordentliche Vampire-Serie auszusehen hat) debütierte.

Die anderthalbstündige Pilotfolge war aber leider nicht allzu viel versprechend. Hauptdarsteller Kirk Jones (als Rapper unter dem Namen Sticky Fingaz aktiv) stakst hölzern durch zwar teuer-aufgebretzelte, aber einfallslos, geradezu bieder photographierte Kulissen und grollt ähnlich wie Filmdarsteller Wesley Snipes gelegentlich einen Halbsatz kaum verständlich vor sich hin, ohne jedoch dessen Charisma zu erreichen. Auch die Kampfszenen blieben eher Raufereien, damit unter inzwischen erreichtem Fernsehniveau, was für einen derartigen Pilotfilm erstaunlich ist, der schließlich ein größeres Budget und mehr Zeit als normale Serienfolgen zur Verfügung haben sollte.

Auch inhaltlich gab es wenige Highlights; kaum Charme, kaum Identifikationsfiguren, dafür viel Exposition und ein entsprechend gemächliches Tempo (das wiederum ist pilotfilmtypisch und lässt keine Rückschlüsse auf künftige kürzere Folgen zu). Nur eine Plot-Entwicklung wirkte originell und überraschend (Achtung: heftige Spoiler im Folgenden!), wurde aber nicht vernünftig aufgearbeitet bzw. besser: wurde nicht ausreichend erarbeitet: Die zu Blades Co-Rächerin avancierende Krista wird bereits in der Pilotfolge selbst zum Vampir umgedreht. Mutiger Zug, eigentlich.

Nur dass sie sich auch als Vampir mirnichtsdirnichts von Blade mit wenigen Worten und ein bisschen blutdurstunterdrückendem Serum überreden lässt, der guten Sache treu zu bleiben und quasi als Undercover-Agentin zu arbeiten, das wurde den Figuren viel zu leicht gemacht - wenn denn Vampire im Blade-Universum grundsätzlich böse wären (was ich zugegebenermaßen buffyverse-vorbelastet erwarten würde) und damit ein Konflikt zwischen "Instinkt" und "Ethos", zwischen "Wesen" und "Erziehung", zwischen "Schicksal" und "freiem Willen" hätte aufbrechen und gelöst werden können. Wenn nicht, wenn also alles, was sie vom Menschen unterscheidet, Unsterblichkeit und ein gewisser Durst nach Blut ist, dann würde eine solche Serie auch genauso gut funktionieren, wenn die Vampire keine solchen, sondern ordinäre Gentlemen-Bösewichte oder Kultisten wären, und dies würde auch einen Hinweis darauf geben, warum die Filmreihe so wenig mitreißend geriet.

Trotzdem werde ich "Blade The Series" erstmal weiterschauen. Bleibt ja nix anderes übrig. Selbst beim Fußball läuft gerade nix Interessantes...

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