07.01.2005

Es ist nicht alles Gold, was nicht glänzt

Jeder kennt die Sampler, die sich auf den Angebotspaletten in Unterhaltungselektronik-Grossketten-CD-Abteilungen stapeln oder gar an Supermarkt-Kassen verscherbelt werden. Diese CDs tragen oft "klangvolle" Namen wie "Golden Greats" oder "Millenium Collection" (yep, "Millenium". Ein Exemplar genau dieser Reihe liegt gerade während des Schreibens vor mir - mehr dazu gleich. Irgendwann während des Sammelns halt scheint ein 'n' verschütt' gegangen zu sein). So abstossend diese Billigprodukte aussehen: unter viel, viel Ramsch sind tatsächlich auch ein paar Schätze vergraben. Die "Millenium Collection" der Band Yes z.B. - die oben erwähnte Doppel-CD - ist baugleich zu "Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970", nur wesentlich billiger. Und ohne jegliches Liner Notes oder sonstiger Angaben wie Besetzung oder so'n Schnickschnack. Bei einer recht bekannten Gruppe wie Yes ist dies zwar auch ärgerlich und lästig, aber mithilfe zahlreicher Online-Ressourcen kann man recht problemlos alle benötigten Angaben herausfinden. Nur dass leider nicht jede Band so präsent ist.

Nehmen wir die CD "Grandes Exitos" der exzellenten argentinischen 70er-Progger Alas. Diese Zusammenstellung ist im Rahmen der "Serie De Oro" der argentinischen EMI erschienen: der "Goldreihe". Und das ist gut so: so bleiben diese musikalisch hochinteressanten Aufnahmen verfügbar und erschwinglich. Nur die Behandlung der Musik und des Kunden ist leider alles andere alles goldig. Besetzungsangaben: Fehlanzeige. Diskographische Angaben jeglicher Art (Aufnahmejahre, Quellalben der einzelnen Stücke oder Ähnliches): Fehlanzeige. In der Tat: im Vergleich zu einer solchen CD ist ein reiner Audio-Download plötzlich gar nicht mehr so uninteressant, wenn der Preis stimmt und dem Nutzer kein DRM-Gemurkse abverlangt wird. Viel schmuckloser, unattraktiver und nichtssagender ist eine selbstgebrannte CD-R oder eine Datei auf der Festplatte auch nicht. Nur: hat die Musik eine solche lieblose Behandlung verdient? In diesem Fall von verspieltem, hochwertigen klassischen Prog mit Jazzrock- und Tango-Einflüssen meiner bescheidenen Meinung nach sicher nicht.

Es muss ja nicht unbedingt jeder CD mit alten Stücken ein die Bandhistorie aufbereitendes Essay beigefügt sein. Aber niemand kann mir erzählen, dass es großer Mehraufwand gewesen wäre, die Besetzung sowie die Herkunft der Stücke unterzubringen, etwa auf dem Rückenteil des Booklets, wo die auf dem Backcover schon gelisteten Stücktitel wiederholt werden. So wäre der Booklet-Innenraum immer noch für die wahnsinnig wichtige und noch interessante Auflistung der anderen Teile der "Serie De Oro" frei geblieben. Vorhanden waren die Informationen mit Sicherheit, schliesslich hat die EMI nicht nur beide Quell-LPs und die Single veröffentlicht, sondern auch eine frühere Wiederauflage beider Alben auf einer Doppel-CD. So bleibt es dem Hörer überlassen, sich aus den eher spärlichen Online-Quellen zusammenzureimen, was genau er eigentlich gekauft hat und hört.

Damit es anderen besser ergehen möge, hier die Ergebnisse meiner Nachforschungen:

Alas - Grandes Exitos
EMI Argentinien, 2004

1.Buenos Aires Solo Es Piedra [15:49]
2.La Muerte Conto El Dinero [17:56]
3.Aire (Surgente) [4:37]
4.Rincon, Mi Viejo Rincon [3:41]
5.A Quienes Si No [9:56]
6.Pinta Tu Aldea [10:14]
7.La Caza Des Mosquito [7:05]

1. und 2. ergeben das komplette Album "Alas" von 1976 (EMI 8294).
3. und 4. sind die Single von 1975 (EMI 1262).
5.-7. sind drei der vier Stücke des Albums "Pinta Tu Aldea" (EMI 6486), das 1977 aufgenommen, aber erst 1983 veröffentlicht wurde.

Besetzung

Gustavo Moretto: Gesang, Keyboards, Trompete, Bandoneon
Carlos Riganti: Schlagzeug
Alex Zucker: Bass, Gitarre (1-4)
Pedro Aznar: Bass (5-7)

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