28.01.2006

Embryo, Giesinger Bahnhof, München, 27.1.2006

"Weltmusik", diese Nische scheint eine gewisse Zugkraft zu haben. Jedenfalls waren beim als "Embryo & Xizhi Nie - Musikalische Begegnungen mit China!" angekündigten Konzert der aktuellen Besetzung des Krautrock-Urgesteins Embryo mehr Zuhörer anwesend, als ich erwartet hätte - auch wenn ca. 45 Besucher nicht unbedingt eine Massenveranstaltung ergeben. Immerhin waren die Stühle in der zum Veranstaltungsraum umgebauten ehemaligen Gepäckhalle des Giesinger Bahnhofs fast alle besetzt.

Embryo traten mit sieben Akteuren auf (den chinesischen "Meistermusiker" mitgezählt) auf, und es kam eine ganze Busladung Instrumente zum Einsatz: bayrisches Hackbrett, Vibraphon, Kontrabass, Schlagzeug, Erhu (eine zweisaitige chinesische Kniegeige), Sheng (eine Art chinesischer Vorläufer der Mundharmonika, allerdings von der Optik her eine bizarre Kreuzung einer Mundharmonika mit einer Kirchenorgel), Oud, Gitarre, Cello, Marimba, Klavier und dazu verschiedene Percussion-Instrumente. Ähnlich eklektisch wie die Besetzung war das Programm: Traditionelles aus China und Ägypten neben Rückgriffen auf klassisches Embryo-Material und Improvisationen.

Leider hätte wie so oft auch hier weniger mehr sein können, in zweierlei Hinsicht:

Zwar ergibt es sich durch eine solch große Besetzung, dass auch dann, wenn jeder einzelne Musiker nur relativ einfache Linien spielt, ein komplexes musikalisches Geflecht entstehen kann (das Gamelan-Prinzip), aber gleichzeitig entstand dabei ein sehr diffuses Klangbild, aus dem schlußendlich nur Embryo-Chef Christian Burchard mit Hackbrett und Vibraphon und Xizhi Nie mit der Erhu in solistischen Passagen herausstachen.

Obendrein zogen sich die meisten Stücke für meinen Geschmack mehrere Minuten zu lang: zwar schien die Kommunikation unter den Musikern in der Regel gut zu funktionieren, aber um ein 20 Minuten lang gleichbleibendes harmonisches und rhythmisches Grundgerüst aufregend zu gestalten, war der Gesamtklang zu undurchsichtig (von Cello oder Oud war beispielsweise ebenso wie später vom Piano im allgemeinen Gewusel nur sehr, sehr wenig zu hören) und auf Dauer einfach gleichförmig - auch wenn es einige mitreißende rhythmische Momente sowie hervorragende instrumentale Arbeit speziell von Burchard am Vibraphon gab.

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