28.04.2007

Ed Wood

Rudolph Greys "Ed Wood" (eng. "Nightmare of Ecstasy: The Life and Art of Edward D. Wood, Jr.") wird hierzulande als "das Buch zum Film" verkauft. Dabei ist Tim Burtons "Ed Wood" eher der Film zum Buch als andersrum: Burtons Biopic erzählt liebevoll und in schwarzweiß mit Starbesetzung auf Grundlage der von Grey in seinem Buch dokumentierten Interviews mit Woods Familie, Freunden und Kollegen Ed Woods Laufbahn von "Glen or Glenda" bis "Plan 9 From Outer Space", von seinen Angora-Exzessen über die geklaute Gummi-Krake bis hin zur Taufe seiner ganzen Crew, da eine Baptistengemeinde "Plan 9" finanzierte.

Der Film hält sich dabei im Großen und Ganzen respektvoll an die durch das Buch verbrieften Anekdoten, die teilweise großartig bizarre Geschehnisse erzählen, die kaum weniger unglaublich als Woods Filme zeigen. Ob alle davon tatsächlich passiert sind? Egal - und Wood hätte es wahrscheinlich gefreut, wenn seine Lebensgeschichte im Nachhinein von seinen Weggefährten etwas aufgepeppt worden wäre, denn er selbst erzählte ganz gerne die ein oder andere Räuberpistole über sich selbst.

Heimlicher Star des Films ist Martin Landau, der für seine Darstellung des alten Bela Lugosi als Drogen-Wrack mit Größe verdient den Oscar als bester Nebendarsteller bekam. Johnny Depps Ed-Wood-Darstellung ist mir persönlich etwas zu einseitig. Depp stürzt sich voll und ganz auf Woods nicht zu verleugnenden, fast blinden Enthusiasmus, vernachlässigt aber darüber m.E. dessen dunkle Seiten, seine Getriebenheit, sein Womanizing und seinen früh sich abzeichnenden Alkoholismus. Leider hört der Film mit dem endgültigen Beginn von Woods Niedergang auf; seine späten Jahre hätten aber wohl eher Stoff für ein ernstes Drama gegeben als für Leichtfüssiges wie Burtons filmische Biographie.

Insgesamt ist der Film, wie Uwe es in seinem "Plan 9"-Kommentar bereits ankündigte, eine durchaus liebevolle und detailfreudige (das beginnt bereits mit dem Vorspann, der etliche Elemente aus Woods Filmen aufnimmt) Hommage an einen Mann, der seinen späten "Ruhm" nicht mehr erlebte und zu dessen Ehrenrettung dieser Film neben Greys Buch vielleicht ein bisschen beiträgt, da er die widrigen Umstände deutlich illustriert, denen sich Wood gegenüber sah, von denen er sich aber lange Zeit nicht beirren ließ.

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