02.06.2006

Earth vs. the Flying Saucers

"Earth vs. the Flying Saucers" bzw. auf Deutsch "Fliegende Untertassen greifen an" gehört zu den einflussreicheren der 50er-Jahren-SciFi-Streifen. Die von Film-Ikone Ray Harryhausen verantworten Trick-Aufnahmen, die zeigen, wie historische Gebäude wie das Kapitol in Washington von den Aliens in Schutt und Asche gelegt werden, sind direkte Vorläufer ähnlicher Einstellungen in modernen Spektakelfilmen wie "Independence Day".

Gleichzeitig macht "Earth vs. the Flying Saucers" deutlich, dass "Independence Day" die bessere Hommage an das klassische Science-Fiction-Kino ist als der ebenfalls jenen referenzierende "Mars Attacks". Nicht nur, weil er im Gegensatz zu "Mars Attacks", der das Genre selbstbewusst parodiert und Trash sein will, einfach tatsächlich vergleichbarer ungewollter Trash ist. Sondern auch, weil "Mars Attacks" zweierlei Ären verquickt: Die dort gezeigt evangelische Erwartung der Alien-Ankunft von Eso-Spinnern aller Arten gehört in die Siebziger Jahre, während sich die kompromisslose Gewaltanwendung von "Idependence Day" viel eher Vorbildern wie "Fliegende Untertassen greifen an" entspricht.

Denn 1956 handelte man augenscheinlich strikt nach dem Prinzip "erst schießen, dann grüßen": Die frisch gelandeten Aliens werden erstmal und ohne zu zögern mit Artillerie-Feuer überzogen. Insofern ist der deutsche Titel mal wieder weniger passend als das englische Orinal, denn ursprünglich griffen nicht die Außerirdischen an, sondern wollten die Aliens nur kommunizieren; erst durch die Agression des US-Militärs eskaliert der Konflikt zu einem globalen Krieg "wir gegen sie" (in "Wirklichkeit" lief alles natürlich viel friedlicher ab, siehe das "Zeti Reticuli Austausch-Programm").

Erstaunlich dabei ist aber, wie unaufgeregt die menschlichen Protagonisten die ganze Zeit handeln. Von Panikreaktion keine Spur, tagelang wird sich mit Planung und Beratungen Zeit gelassen, Handlungen, die zumindest Befehlsverweigerung, eigentlich sogar staatsgefährdend sind, werden von Vorgesetzten kaum kommentiert, geschweige denn geahndet. Insbesondere, da die Aliens einen waschechten Zerstörungskrieg inklusive ökologischer Kriegsführung beginnen: Ganze Wälder werden abgefackelt, um ein paar flüchtige Menschen zu schnappen, und im globalen Rahmen wird eine Wetterkatastrophe über künstlich verursachte Sonneneruptionen heraufbeschworen. War aber alles nicht so wild, scheint's, da am Ende der Wissenschaftler-Held mit seiner frisch angetrauten Frau, die gleichzeitig seine Sekretärin ist, am Strand in den Sonnenuntergang laufen kann.

Aber gut, was soll uns auch passieren, wenn die Aliens (die wie altersschwach-verschrumpelte Greys aussehen) ungelenk wie Dosen auf Beinen durch die Gegend stolpern und zu Staub zerfallen, wenn ihnen die Helme abgenommen werden. Andererseits haben sie natürlich gefährliche Todesstrahlen, und auch ihre Ufos sind Muster an Beweglichkeit - ein weiterer Verdienst Harryhausens, dem es im Gegensatz zu vielen anderen Filmen aus der gleichen Zeit mit ihren ungelenken, immer geradeaus surrenden Untertassen gelang, die Alien-Geräte agil und manövrierfähig wirken zu lassen, in dem sie etwa im Flug wie echte Luftgefährte ihren Neigungswinkel anpassen können etc.

Kommentare

Ich denke, ich habe diesen Film tatsächlich einmal gesehen, irgendwann, sehr sehr spät in irgendeinem dritten Programm. Da es recht spät war fand ich ihn unglaublich spannend, wohl auch, weil die Aliens fast nie zu sehen waren und sich der Konflikt immer abseits von der gezeigten Szenerie fortentwickelt hat. Heißt, die Protagonisten unterhalten sich, auf einmal gibt's einen Knall - wer war's? Die Aliens? Das Militär? Prinzipiell find ich alte Filme immer deshalb sehr spannend, weil damalige Regisseure nicht die heutigen Mittel hatten und trotzdem großes Kino gezaubert haben. [Sprechen wir überhaupt über den gleichen Film? ;-) Habe das nur sehr vage in Erinnerung]

Zu Independence Day: Da gibt's doch auch die Hippies, die die Aliens sehnsüchtig erwarten - die werden ja gar als erstes über den Haufen geschossen. Überhaupt trieft der Film von amerikanischem Patriotismus, was die kritischen Aspekte dieses Filmes hier ja gänzlich außer acht lässt. Amis mal nicht als Weltretter? Verkauft sich eben nicht.

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