Drum'n'Bass mal anders
Die grosse Zeit des Drum'n'Bass scheint ja vorbei zu sein. Vor ein paar Jahren waren Drum'n'Bass/Jungle/Breakbeat das nächste große Ding in der modernen elektronischen Musik. Sogar die Titelmelodie der altehrwürdigen Sportschau wurde mit Drum'n'Bass-Rhythmen aufgepeppt. Inzwischen scheint mir die Begeisterung etwas abgeflaut zu sein, zumindest in den "normalen" Medien kommt Drum'n'Bass im Gegensatz zu damals kaum noch vor.
Eine grosse Zeit haben echte Drum'n'Bass-Bands wohl nie gehabt. "Echte"? Yep. Es gibt in der Tat ein paar Bands, die die Besetzung auf die sonst meist nur in Nebenrollen vorkommende Rhythmus-Fraktion Schlagzeug und Bassgitarre reduziert haben:
Zum einen gibt es die abgefahrenen Zeuhl-Punk-Avantgardisten aus Japan namens Ruins, eines der viele Projekte des Schlagzeugers Tatsuo Yoshida. In kurzen, brutal Krach-Attacken zertrümmern Ruins den Zeuhl in seine Bestandteile: grollender, grausam verzerrter Bass, unverständlich gejaulte Vocals und unnachlässiges Tempo. Auch vor Coverversionen machen die Japaner nicht halt, meist in Form von Medleys, in denen in ein bis zwei Minuten dutzende Songs, oft nur durch ein prägnantes Riff vertreten, verwurstet werden. Ruins sind heftiger, richtig heftiger Stoff.
Etwas verdaulicher zur Sache kommen Sabot, zwei inzwischen in Tschechien lebende Amerikaner, d.h. ein Amerikaner (Christopher Rankin, Bass) und eine Amerikanin (Hilary Binder, Schlagzeug). Deren stark durchstrukturierte Stücke versprühen zwar auch punkige Energie, laufen vom Energie-Level her aber nie so aus dem Ruder, wie es bei Ruins manchmal der Fall ist, sondern sind - auch live - sehr diszipliniert. Dank vielteiligen Aufbaus und häufigen krummtaktigen Passagen könnte man sie fast als einen auf das notwendigste reduzierten Progressive Rock bezeichnen, wobei ich nicht sicher bin, ob Sabot! selbst mit dieser Einordnung glücklich wären...
Ein Sabot ist übrigens ein Holzschuh und die Wurzel des Wortes Sabotage: französische Landarbeiter warfen ihre Schuhe in die Mechanik moderner Maschinen, die ihnen die Arbeit wegnahmen, um diese auszuschalten. So hat es uns zumindest Schlagzeugerin Binder anläßlich des Sabot-Konzertes im Kafe Kult in München erklärt, mit dem zusätzlichen Hinweis, dass Sabot eben auch versuchen, der Holzschuh im Getriebe der Musikindustrie zu sein.
A propos Kafe Kult: am 6.Oktober 2004 spielen dort Lightning Bolt. Meinte ich eben, Ruins sein heftiger Stoff? Diese Aussage relativiert sich anhand von Lightning Bolt. Das ist harter Tobak. Das amerikanische Duo zelebrierte Noise-Attacken von bemerkenswerter Härte und Hartgesottenheit. Mal werden 10 Minuten lang repetitive Riffs durchgehämmert, mal werden die Gehörgänge mit minutenlangem Quietsche-Feedback malträtiert. Vor allem ihr gleichnamiges Album ist kompromissloser Krach bis zum Anschlag. Der Nachfolger "Ride The Skies" ist etwas zugänglicher, musikalischer, mit teilweise hochvirtuosen, teilweise fast melodischen Stellen, aber dennoch nichts für Warmduscher.
Sicher gibt es noch mehr Bands in Bass-Schlagzeug-Besetzung da draussen. Für Tipps zu interessanten Platten bin ich immer dankbar. Bestimmt gab es auch im Jazzbereich Duo-Arbeiten von Bassisten und Schlagzeugern, auch wenn mir grade keine einfällt :-) Auch dafür nehme ich Hörvorschläge gerne entgegen.
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Kommentare
...zumindest in den "normalen" Medien kommt Drum'n'Bass im Gegensatz zu damals kaum noch vor. ....
das stimmt so nicht. habe dnb vor kurzem erst wieder auf DSF und sogar, man glaubt es kaum auf 9Live gehört :) uralte tracks natürlich
Gib's zu, das ist eigentlich Trigon ohne Rainer ;-)
Und Rainer wird jetzt endlich Basser bei Shades of Dawn :-D
Om ist noch ein geiles Drum and Bass-Duo.
@Alex: Jep, die sind nice!
Weitere Bands mit Bass und Schlagzeug:
- Beehoover, deutsche Stoner Rock band
- Big Business; amerikanische Stoner/ Sludge Metal Band, die zusätzlich als Verstärkung
der Melvins unterwegs ist, die ja schon immer ein Basser Problem hatten
- Death from Above 1979, sozusagen die Blaupause für Lightning Bolt, gibt es glaube ich
nicht mehr
Auf dem Plattenlabel Magaibutsu von Tatsuya Yoshida (Ruins) gibt es einen Sampler I, der12 japanische Bass Drums Bands enthält, davon einige aus dem Dunstkreis von Yoshida.
Da ist alles dabei, von verzerrt krachig, bis frickelig versponnen. Die Bands im Einzelnen:
Mania Organ(natürlich ohne Orgel); Soopiyo Hensi; Zensimasui; Yonc; Bazooka Joe; Akaten; Elmer Juice; Ego; Coa; Lost Utopia Total Sound; The Yoshida Graves und Ruins.
Der Sampler ist ziemlich schwierig zu bekommen, ich habe auch nur einen gebraucht gekauften.
Dann gibt es noch eine Geschichte mit zwei Namen, bei denen John Zorn seine Finger mit im Spiel hat: Moonchild und Astronome.
Besetzung: Trevor Dunn (bass) und Joey Baron (drums). Um ehrlich zu sein ist noch ein Dritter dabei, nämlich Mike Patton als Vokalist. Weil der aber nur grunzt; kreischt und jammert, kann man es als drum/bass Duo evt. durchgehen lassen.
Übrigens war ich 2008 bei Lightning Bolt in Berlin zum Konzert, das war schon ziemlich beeindruckend.
Ruins ist ja mal derb schräger Sound. Ach ja und von wegen Drum and Bass ist tot - so ein Schmarrn.
cause for effect
ein finnisches duo mit unterirdischen grind und death metall growls.....
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