Dracula jagt Mini-Mädchen
Es kommt nicht allzu oft vor, dass der deutsche Titel eines Films cooler ist als der Originaltitel. Auf "Dracula jagt Mini-Mädchen" trifft dies aber definitiv zu: "Dracula A.D. 1972" nämlich ist ziemlich lahm. Schade nur, dass im Film selbst keinerlei Miniröcke vorkommen, eine der Figuren sogar verlauten lässt, dass Mini-Röcke out seien. Aber "out sein" ist ein gutes Stichwort, denn im Grunde geht es in "Dracula jagt Mini-Mädchen" um Generationen-Konflikte, und die Differenz zwischen Tradition und Moderne. Und natürlich darum, wie es wäre, wenn Dracula im London des Jahres 1972 wiedererweckt worden wäre. Es stellt sich heraus: Ziemlich genauso wie 1872.
Also, obligatorischer Inhaltsabriss: Bei seiner letzten Konfrontation mit Graf Dracula (natürlich von Christopher Lee voller gewohnter bedrohlicher Noblesse gespielt) ließ - obschon siegreich - auch Lawrence van Helsing (Peter Cushing aristokratisch wie immer) sein Leben. Aber einer von Draculas Schergen schnappt sich seines Meisters Asche und vergräbt sie neben Van Helsings letzter Ruhestätte.
Im Jahr 1972 werden eber jene Kirche und jener Friedhof entheiligt und zum Abriss freigegeben. Damit ist für Draculas Jünger "Johnny Alucard" (jo...) der Weg frei, ein Wiedererweckungs-Ritual zu versuchen. Dazu benutzt er seiner Clique (bezeichnend: Ein moderne Schlagzeug-Solo vom Band dient dabei als musikalischer Katalysator. Also Merke: Schlagzeug-Soli sind Teufelswerk), deren weibliche Mitglieder obendrein als Kraftfutter für den auferstandenen Grafen herhalten müssen, der obendrein gerne die verbliebene Van-Helsing-Familie auslöschen müsste. Da trifft es sich gut, dass Jessica Van Helsing, Ur-Ur-Enkelin von Lawrence, zu Johnny Alucards Freundeskreis gehört. Weniger gut trifft sich, dass damit deren Grossvater (ebenfalls Peter Cushing als zeitgenössischer Van Helsing, jetzt nicht mehr nur aristokratisch, sondern auch ketterauchend) ins Spiel kommt, der sich nicht nur wie sein Großvater mit dem Okkulten mehr als auskennt, sondern auch dessen Tatkraft geerbt hat.
Sodann entspinnt sich das übliche Hammer-Horrorspielchen, eben genauso, als ob der Film im Jahre 1872 spielen würde. Aber da es nun mal 1972 sein soll, gibt es vorher noch die oben erwähnten Konflikte, zwischen Aristokraten und jugendlichen "Asozialen" (also sowohl der englischen Oberschicht selbst und den Gammlern also auch zwischen Dracula, dem archetypischen Graf, und jenen) und zwischen Enkeln und Großeltern (Jessica und der Prof). Die Moral von der Geschicht: Manchmal wissen die Alten doch wovon sie reden, und außerdem kicken sie obendrein deutlich mehr Hintern als verzärtelte Hippie-Jünglinge.
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